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Christian Schwochows Theaterfilm über die Grenze zwischen Ich und Rolle: «Die Unsichtbare»

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Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für Manipulation und Psychoterror, aus denen am Ende Kunst entsteht. Regisseur Friedmann ist da ganz Old School, ein Erpresser und Wüterich, selber hinreichend gestört, um als Genie durchzugehen.

Alkohol, Depression, die Richtung, wie er Fine in einem intimen Moment gesteht, um ihr eigenes traumatisches Urerlebnis hervorzulocken: der gebrochene Arm mit acht, den die Mutter einfach übersah, weil sie so fixiert war auf die geistig behinderte Schwester. Weil Fine sich immer übersehen gefühlt hat, will sie endlich ins Rampenlicht. Manchmal würde sie Schwester Jule am liebsten umbringen.«Benutz das», sagt Friedmann begeistert, «bleib in der Emotion.»

Wie Regisseure so reden, oder wie sich Filmregisseure vorstellen, dass Theaterregisseure reden. Das Drehbuch, das Regisseur Christian Schwochow wie seinen Erstling «Novemberkind» ...

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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 61
von Barbara Burckhardt

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