Der Demokratie-Ballon
Franz Wille Das Thalia Theater hat gewagt, was sich noch kein anderes Theater getraut hat – es hat das Publikum eingeladen, über den nächsten Spielplan abzustimmen: «Vier Inszenierungen im Großen Haus werden vom Publikum vorgeschlagen. Die drei meistgenannten Stücke werden aufgeführt. Versprochen.» Die Auswahl hat kurz vor Weihnachten stattgefunden, dem Theater aber nicht die allerzugewandtesten Pressestimmen beschert.
Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt: «In dieser Form wird garantiert nie wieder ein Theater in Deutschland seine Inkompetenz in Sachen Demokratie zur Schau stellen ... Das Ergebnis ist so hilfreich wie ein kongolesischer Diktator.» Die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt: «Die Aktion des Thalia Theaters wurde von Anfang an vom Hautgout der Ranschmeißerei an die Generation Facebook begleitet. Und jetzt haben sie den Salat.» Herr Lux, Herr Hegemann, können Sie den Salat erläutern?
Lux Der Salat ist riesengroß und der Aufruhr gewaltig, in den Medien, in der Theaterszene, im Umkreis des Thalia Theaters, im Ensemble. Wir haben diesen Ball nicht wie ein kongolesischer Diktator losgetreten, der die Wahl in eine gewünschte Richtung lenkt, sondern aus drei inhaltlichen ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Akteure, Seite 38
von
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In einem halbseidenen Tallinner Nachtclub kommt Estland also ganz zu sich: Alkohol schwängert die Luft und Koks penetriert die Hirne. Beats brummen. Ein Este kracht dem britischen Inspektor Ignatius Stone vor die Stirn: «Die Pest hat uns gefickt. Die Hungersnot hat uns gefickt. Die Schweden haben uns gefickt. Die Deutschen haben uns gefickt. Die Russen haben uns...
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