Kassel: Das Grauen im Kopf
Wieder am 27. Mai in Wiesbaden bei den Maifestspielen.
Zombies treiben schon seit längerem ihr Unwesen auf deutschen Bühnen. So konsequent wie in Kassel allerdings ist das Prinzip selten durchexerziert worden. Die fünfköpfige Familie aus Vater, Mutter, Tante, Sohn und Tochter, der der junge Regisseur Ersan Mondtag im kleinen tif eine geometrisch durchgemusterte 60er-Jahre-Wohnhölle in schrillem Rot und Gelb gebaut hat, ist aus dem Setzkasten der Horrorzutaten von Henrik Ibsen bis David Lynch, Computerspielen und Family Sitcoms zusammengesetzt. Sie startet post Tagesschau um 20.
15, sprengt das Fernsehformat mit 130 Minuten dann aber doch deutlich. Denn das Leben der zweiten Art braucht seine Zeit, um sich in steter Schleifenhaftigkeit zum vollen Grauen des Banalen entfalten zu können.
Wenn das Morgenlicht warm aufleuchtet, erwachen hinter den Türen im langen rotwandigen Flur aus David Lynchs «Twin Peak» Mutter, (Kate Strong), Tante (Eva-Maria Keller), Sohn (Jonas Grundner-Culemann) und die gewaltig im Fatsuit versinkende Tochter (Philipp Reinhardt) auf drei großen Überwachungs-Screens in ihren minutiös und anspielungsreich möblierten Zimmern: die fette Tochter vor Lucian Freuds fetter Big Sue, die Tante bäuchlings betend vor einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Barbara Burckhardt
Pläne der Redaktion
Aktuelle Entwicklungen im chinesischen Theater: Wie verbindet man das Alte mit dem Neuen? Beobachtungen von Hans-Thies Lehmann.
Elisabeth Orth wollte nicht mit dem Namen Hörbiger Karriere machen und nahm den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits an. Es hat dann auch so geklappt mit der Karriere: ein Porträt.
Das neue Stück von Wolfram...
Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in...
In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende...
