Kaiserslautern: In der Trauma-Falle
Marco Reus hat eine Polizistin erschossen und sich mit einem Hippie-Mädchen in einer Lagerhalle verschanzt. Halt, Stop! Das stimmt natürlich nicht. Sieht aber erstmal so aus, wenn das Spiel losgeht auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters: Daniel Mutlu in der Rolle des Ex-Bundeswehrsoldaten Daniel C., der seit seinem Afghanistan-Einsatz von seiner Umgebung für traumatisiert gehalten wird, ähnelt dem Dortmunder Fußballstar nicht nur erstaunlich, sondern trägt auch noch dessen markante Tolle.
Und seine Partnerin Natalie Forester spielt zwar eine illegal Eingereiste, die offenbar aus einem Schleuser-Lkw entkommen ist und sich nun Isabelle Huppert nennt, doch sie kommt im bunten Batikkleidchen und Wildlederstiefeln ziemlich freizeitmäßig daher (Ausstattung: Ulrike Melnik) und gibt sich auch eher amüsiert-schnippisch als verängstigt.
Nun passt dies insofern, als das mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis prämierte Stück von Thomas Köck vorgefertigte Bilder von Krieg, Flucht und Gewalt aushebeln will. Spannend ist, wie er das Grauen sprachlich vermittelt, indem sich die Dialogsätze dem Unsagbaren nähern und dann kurz davor abbrechen, was die Assoziationsrädchen des Publikums mehr in Schwung ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Jüttner
«Ça ira», so heißt Frankreichs militantestes Revolutionslied, noch vor der Marseillaise. «Ah ça ira, ça ira, ça ira!», skandierten 1790 die Sansculottes, «les aristocrates on les pendra»: Es wird schon gehen, die Aristokraten hängen wir alle auf. «Ça ira (1) Fin de Louis» nennt der Autor und Regisseur Joël Pommerat seinen neuen Abend, den er Anfang November im...
Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in...
Zombies treiben schon seit längerem ihr Unwesen auf deutschen Bühnen. So konsequent wie in Kassel allerdings ist das Prinzip selten durchexerziert worden. Die fünfköpfige Familie aus Vater, Mutter, Tante, Sohn und Tochter, der der junge Regisseur Ersan Mondtag im kleinen tif eine geometrisch durchgemusterte 60er-Jahre-Wohnhölle in schrillem Rot und Gelb gebaut hat,...
