Kaiserslautern: In der Trauma-Falle
Marco Reus hat eine Polizistin erschossen und sich mit einem Hippie-Mädchen in einer Lagerhalle verschanzt. Halt, Stop! Das stimmt natürlich nicht. Sieht aber erstmal so aus, wenn das Spiel losgeht auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters: Daniel Mutlu in der Rolle des Ex-Bundeswehrsoldaten Daniel C., der seit seinem Afghanistan-Einsatz von seiner Umgebung für traumatisiert gehalten wird, ähnelt dem Dortmunder Fußballstar nicht nur erstaunlich, sondern trägt auch noch dessen markante Tolle.
Und seine Partnerin Natalie Forester spielt zwar eine illegal Eingereiste, die offenbar aus einem Schleuser-Lkw entkommen ist und sich nun Isabelle Huppert nennt, doch sie kommt im bunten Batikkleidchen und Wildlederstiefeln ziemlich freizeitmäßig daher (Ausstattung: Ulrike Melnik) und gibt sich auch eher amüsiert-schnippisch als verängstigt.
Nun passt dies insofern, als das mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis prämierte Stück von Thomas Köck vorgefertigte Bilder von Krieg, Flucht und Gewalt aushebeln will. Spannend ist, wie er das Grauen sprachlich vermittelt, indem sich die Dialogsätze dem Unsagbaren nähern und dann kurz davor abbrechen, was die Assoziationsrädchen des Publikums mehr in Schwung ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Jüttner
In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende...
Der Schauspieler Ulrich Matthes registriert seit Längerem ein gewisses Unbehagen an der (Bühnen-)Kultur. «Viele Menschen können mit dem Theater nichts rechtes mehr anfangen», sagte er in seinem Eingangsstatement zum Symposium «Was soll das Theater?» in der Berliner Akademie der Künste, das er als Direktor der Sektion Darstellende Kunst aus besagtem Grund selbst...
Dass das Theater bei seinem Besuch im Deutschen Bundestag vor «spielerischen Versuchsanordnungen» nicht zurückschrecken würde, war zu befürchten. «Ich bitte Sie jetzt – ohne lange zu überlegen – ihren politischen Standort zu bestimmen», leitet die freundliche Dramaturginnen-Stimme eine Gruppe von gut 150 Menschen im SPD-Fraktionssaal bei der «Aufwärmübung» an....
