Gesellschaftskunde: Die Macht des Theaters
Natürlich ist das RTL-Fernsehformat «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» (kurz: «Dschungelcamp»), heuer von durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern gesehen, eine klassische Typenkomödie. Es geht um allgemeinmenschliche Eigenschaften, die sich im australischen Dschungel, obwohl hinter jeder Palme eine Kamera lauert, möglichst unverstellt zeigen und kräftig aufeinander prallen sollen.
Gecasted werden dafür Y-Promis nach ihrem Unterhaltungswert: das zickige Model, die vollbusige Körbchen-G-Schlange, der dumme Schönling, der kraftstrotzende Cis-Mann, der arrogante Opi, der ewige Verlierer. So weit, so berechenbar. Aber dann passiert das Wunderbare: Das Camp verwandelt sich auf magische Weise in eine jener bissigen Komödien-Überschreibungen, mit denen Elfriede Jelinek im Theater so erfolgreich ist. Sichtbar werden nicht nur die plumpe Mechanik einer Typenkomödie, sondern subtile gesellschaftliche Zusammenhänge. Jeder Versprecher ein Abgrund. Gigantische Egos legen sich selber lahm. Die Sprache und die Körper laufen Amok. Was für ein kluges Vergnügen!
King Lear Gunter Gabriel
Unter der gnadenlosen Camp-Lupe entwickeln Kleinigkeiten das Potenzial zu wahrhaft Shakespearescher ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Karin Cerny
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