Nürnberg: Rechter Spaßprediger
Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in seinem (jetzt wieder zugänglichen) Buch «Mein Kampf» (seinerzeit für Juden) verwendete.
Dies könnte Roland Schimmelpfennig im besorgten Sinn gehabt haben, als er sein Familien-Drama «Wintersonnenwende» schrieb: Hier bricht ein Fremder – Deutscher aus Paraguay – höchst freundlich in eine nur zum Schein intakte Gemeinschaft ein, und erst mit der Zeit wird klar, dass seine butterweichen Erzählungen durchtränkt sind von ewiggestrigem Gedankengut.
Das Perfide daran ist, dass dieser korrekte Herr Rudolph (in Nürnberg geschmeidig gespielt von Heimo Essl) gar nicht im Sinn hat, seine Mitmenschen zu indoktrinieren. Vielmehr plätschern seine rassistisch gefärbten Sätze ganz langsam, wie nebenbei in die Köpfe der anderen. Die faschistische Rhetorik hat längst etwas harmlos Alltagstaugliches, und mit ihr lässt sich wieder verführen: ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Bernd Noack
Nicht nur Fliegen wäre schöner, sondern auch schon ein Sonntagsausflug, bei dem nicht nachträglich die Biergartenzeche bis auf den Pfennig nachgerechnet würde. Dabei hat Otto «Mensch» Meier seine Träume ohnehin schon auf Miniaturformat geschrumpft, wenn er nachts im Hobbykeller an seinen Modellflugzeugen bastelt. Tagsüber ist er für 14 Schrauben am neuen BMW-Modell...
Für wilde Kipp-Momente haben sie in Rostock bekanntlich ein Faible. Intendant raus, Intendant rein (TH 5/2015); Theaterneubau hin, Theaterneubau her; vier Sparten plus zwei nach dem Willen des Intendanten Sewan Latchinian, oder doch – widdewiddewitt – vier Sparten minus zwei nach Bürgerschaftsbeschluss. Es ist der der reinste Klipp-Klapp-Boulevard. Nur ohne Lacher.
...Ich bin auch nur ein Arschloch», outete sich Milo Rau unlängst in der Schweizer «Sonntagszeitung». Der Grund, in Kürze: Unser aller eurozentristische Betroffenheitskultur – vulgo: Mitleid – angesichts der weltpolitischen Lage verschiebe real zu führende Debatten in symbolische Entlastungsräume und mache uns somit zu «zynischen Humanisten».
Knackige, aber korrekte...
