Ins Herz der Demokratie
«Ça ira», so heißt Frankreichs militantestes Revolutionslied, noch vor der Marseillaise. «Ah ça ira, ça ira, ça ira!», skandierten 1790 die Sansculottes, «les aristocrates on les pendra»: Es wird schon gehen, die Aristokraten hängen wir alle auf. «Ça ira (1) Fin de Louis» nennt der Autor und Regisseur Joël Pommerat seinen neuen Abend, den er Anfang November im Theater Nanterre-Amandiers herausgebracht hat: «Ludwigs Ende», Nummer eins; eine Fortsetzung soll folgen. Hintergrund sind die letzten Regierungsjahre Ludwigs XVI., die ersten Tage der Französischen Revolution.
Aber «Ça ira» ist kein historisches Drama über die Revolution, es ist ein Text, der sehr heutige, sehr drängende Fragen aufwirft. Ausgehend von der historischen Situation befragt er aus heutiger Not die Konstruktion einer republikanischen Verfassung. Pommerats Text zielt auf direktem Weg ins Herz der Demokratie.
Die historischen Ereignisse – der Sturm auf die Bastille, die Flucht nach Varennes – finden hinter der Bühne statt, in hereinwehenden Licht- und Rauchschwaden und in der immersiven Tonspur von François Leymarie. Auch das von Georg Büchner bis Peter Weiß einschlägig bekannte Revolutionspersonal tritt nicht auf, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2016
Rubrik: Ausland, Seite 50
von Andreas Klaeui
Pläne der Redaktion
Aktuelle Entwicklungen im chinesischen Theater: Wie verbindet man das Alte mit dem Neuen? Beobachtungen von Hans-Thies Lehmann.
Elisabeth Orth wollte nicht mit dem Namen Hörbiger Karriere machen und nahm den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits an. Es hat dann auch so geklappt mit der Karriere: ein Porträt.
Das neue Stück von Wolfram...
An Görings Geburtstag rottet sich das grau gewandete Gefolge des Nazi-Oberbonzen zu einem Opernhausball zusammen. Den Gastgeber spielt Hendrik Höfgen, Intendant der Berliner Staatstheater, Görings Günstling. Der Autor Klaus Mann schreibt das Jahr 1936, er schrieb auch im Jahr 1936, er konnte noch nichts wissen von Holocaust und totalem Krieg, aber er ahnte das...
Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf...
