Ins Herz der Demokratie

Von Joël Pommerat über Vincent Macaigne und Giselle Vienne bis hin zu Milo Rau und Thom Luz gestalten freie Theatermacher das Programm von Philippe Quesnes Théâtre Nanterre-Amandiers, einem der größten Produktionshäuser Frankreichs

Theater heute - Logo

«Ça ira», so heißt Frankreichs militantestes Revolutionslied, noch vor der Marseillaise. «Ah ça ira, ça ira, ça ira!», skandierten 1790 die Sansculottes, «les aristocrates on les pendra»: Es wird schon gehen, die Aristokraten hängen wir alle auf. «Ça ira (1) Fin de Louis» nennt der Autor und Regisseur Joël Pommerat seinen neuen Abend, den er Anfang Novem­ber im Theater Nanterre-Amandiers herausgebracht hat: «Ludwigs Ende», Nummer eins; eine Fortsetzung soll folgen. Hintergrund sind die letzten Regierungsjahre Ludwigs XVI., die ersten Tage der Französischen Revolution.

Aber «Ça ira» ist kein historisches Drama über die Revolution, es ist ein Text, der sehr heutige, sehr drängende Fragen aufwirft. Ausgehend von der historischen Situation befragt er aus heutiger Not die Konstruktion einer republikanischen Verfassung. Pommerats Text zielt auf direktem Weg ins Herz der Demokratie.

Die historischen Ereignisse – der Sturm auf die Bastille, die Flucht nach Varennes – finden hinter der Bühne statt, in hereinwehenden Licht- und Rauchschwaden und in der immersiven Tonspur von François Leymarie. Auch das von Georg Büchner bis Peter Weiß einschlägig bekannte Revolutionspersonal tritt nicht auf, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2016
Rubrik: Ausland, Seite 50
von Andreas Klaeui

Weitere Beiträge
Theater als Arbeit am Bösen

Was Heiner Müllers «Horatier» gerade heute zum Terrorismus zu sagen hat

Der namenlose Kämpfer stößt dem verwundeten Gegner, der am Boden liegt und «mit schwindender Stimme» um Schonung bittet, «sein Schwert in den Hals, daß das Blut auf die Erde» fällt, er wirft sich das blutige Schlachtkleid des Getöteten über die Schulter, steckt sich dessen Waffe in den Gürtel...

Dramaturgie: Politikaufstellung mit Base-Cap

Dass das Theater bei seinem Besuch im Deutschen Bundestag vor «spielerischen Versuchsanordnungen» nicht zurückschrecken würde, war zu befürchten. «Ich bitte Sie jetzt – ohne lange zu überlegen – ihren politischen Standort zu bestimmen», leitet die freundliche Dramaturginnen-Stimme eine Gruppe von gut 150 Menschen im SPD-Fraktionssaal bei der «Aufwärmübung» an....

Gesellschaftskunde: Die Macht des Theaters

Natürlich ist das RTL-Fernsehformat «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» (kurz: «Dschungelcamp»), heuer von durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern gesehen, eine klassische Typenkomödie. Es geht um allgemeinmenschliche Eigenschaften, die sich im australischen Dschungel, obwohl hinter jeder Palme eine Kamera lauert, möglichst unverstellt zeigen und kräftig...