Ins Herz der Demokratie
«Ça ira», so heißt Frankreichs militantestes Revolutionslied, noch vor der Marseillaise. «Ah ça ira, ça ira, ça ira!», skandierten 1790 die Sansculottes, «les aristocrates on les pendra»: Es wird schon gehen, die Aristokraten hängen wir alle auf. «Ça ira (1) Fin de Louis» nennt der Autor und Regisseur Joël Pommerat seinen neuen Abend, den er Anfang November im Theater Nanterre-Amandiers herausgebracht hat: «Ludwigs Ende», Nummer eins; eine Fortsetzung soll folgen. Hintergrund sind die letzten Regierungsjahre Ludwigs XVI., die ersten Tage der Französischen Revolution.
Aber «Ça ira» ist kein historisches Drama über die Revolution, es ist ein Text, der sehr heutige, sehr drängende Fragen aufwirft. Ausgehend von der historischen Situation befragt er aus heutiger Not die Konstruktion einer republikanischen Verfassung. Pommerats Text zielt auf direktem Weg ins Herz der Demokratie.
Die historischen Ereignisse – der Sturm auf die Bastille, die Flucht nach Varennes – finden hinter der Bühne statt, in hereinwehenden Licht- und Rauchschwaden und in der immersiven Tonspur von François Leymarie. Auch das von Georg Büchner bis Peter Weiß einschlägig bekannte Revolutionspersonal tritt nicht auf, ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Ausland, Seite 50
von Andreas Klaeui
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