Kämpfer auf verlorenem Posten
Es muss ein Versprechen im Theaterspielen geben, das extreme Widerstandskräfte ausbildet.
Wie sonst hält es ein Mensch aus, permanent vom Urteil anderer abhängig zu sein, sich lebenslang Kritik und verletzenden Bemerkungen auszuliefern? Was macht den Schauspieler immun gegen Misserfolge, die er sich nicht erklären kann? Wie schützt er sich gegen Verzweiflung, wenn seine Berufsausübung vom göttlichen Ratschluss eines Intendanten, seiner Dramaturgen, des Regisseurs abhängt?
Die meisten Schauspieler, die man nach dem Lohn für diese Ängste fragt, sagen, sie wüssten es nicht wirklich. Natürlich schämen sie sich ein wenig, weil in einer Antwort die Falle lauert, als eitler Geck dazustehen, der süchtig nach Applaus ist, nach Komplimenten, nach Präsentation seiner besten Seiten. Zumal diese Sehnsüchte vermutlich tatsächlich Teil der Antwort sind. Aber dabei ertappt zu werden, dass man bewundert und geliebt sein will, erklärt noch nicht vollständig die Beharrlichkeit, mit der die meisten Schauspieler immer wieder Niederlagen verkraften, um spielen zu können. Und auch mit psychologischen Küchenweisheiten über masochistische Grundstrukturen, quälende Mangelgefühle oder kindliche Sehnsucht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein weißes, «sexuell provokatives» Zahngerät zwischen die Lippen geklemmt, schleicht eine Gestalt in weitem Hemd und Faltenrock, unter dem Arm eine Ente in goldenem Käfig, aus der gestreift tapezierten Szenerie. Frage: «Was gibt Worten die Magie?» Antwort: «Ich, ich, ich.» Wer spricht? Willem Dafoe als Idiot Savant in Richard Foremans gleichnamigem neuen Stück, mit...
Der Schriftsteller und Alkoholiker Beverly Weston ordnet letzte Dinge. Bei Michael König schaukelt er dazu behaglich ein gut gefülltes Whiskyglas in den Händen, umschreitet mehrfach den zerschlissenen Ledersessel vor dem Kamin und wirft noch einen kopfschüttelnden Blick auf zwei, drei Manuskriptblätter, bevor er sie versonnen den Flammen opfert. Der jungen...
I.
Regisseur zum Schauspieler Fang bitte mal an.
Schauspieler spricht einen halben Satz
Regisseur unterbricht ihn Ne, ne, ne. Du musst da ein Komma denken, immer auf Komma denken, Komma denken, du sprichst da nen Punkt, da steht aber kein Punkt, da steht ein Komma, das ist falsch, da auf Punkt zu spielen, da steht n Komma!
Schauspieler spricht weiter
Regisseur...
