Kämpfer auf verlorenem Posten
Es muss ein Versprechen im Theaterspielen geben, das extreme Widerstandskräfte ausbildet.
Wie sonst hält es ein Mensch aus, permanent vom Urteil anderer abhängig zu sein, sich lebenslang Kritik und verletzenden Bemerkungen auszuliefern? Was macht den Schauspieler immun gegen Misserfolge, die er sich nicht erklären kann? Wie schützt er sich gegen Verzweiflung, wenn seine Berufsausübung vom göttlichen Ratschluss eines Intendanten, seiner Dramaturgen, des Regisseurs abhängt?
Die meisten Schauspieler, die man nach dem Lohn für diese Ängste fragt, sagen, sie wüssten es nicht wirklich. Natürlich schämen sie sich ein wenig, weil in einer Antwort die Falle lauert, als eitler Geck dazustehen, der süchtig nach Applaus ist, nach Komplimenten, nach Präsentation seiner besten Seiten. Zumal diese Sehnsüchte vermutlich tatsächlich Teil der Antwort sind. Aber dabei ertappt zu werden, dass man bewundert und geliebt sein will, erklärt noch nicht vollständig die Beharrlichkeit, mit der die meisten Schauspieler immer wieder Niederlagen verkraften, um spielen zu können. Und auch mit psychologischen Küchenweisheiten über masochistische Grundstrukturen, quälende Mangelgefühle oder kindliche Sehnsucht ...
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Der Schriftsteller und Alkoholiker Beverly Weston ordnet letzte Dinge. Bei Michael König schaukelt er dazu behaglich ein gut gefülltes Whiskyglas in den Händen, umschreitet mehrfach den zerschlissenen Ledersessel vor dem Kamin und wirft noch einen kopfschüttelnden Blick auf zwei, drei Manuskriptblätter, bevor er sie versonnen den Flammen opfert. Der jungen...
An was ich mich an meisten erinnere, wenn wir «Onkel Wanja» spielen, das sind die Wiederaufnahmeproben vor genau einem Jahr im Haus der Berliner Festspiele. Über ein halbes Jahr hatten wir das Stück nicht gespielt, Gosch hatte gerade «Die Möwe» herausgebracht, und sein Gesundheitszustand war deutlich schlechter geworden. Mein Respekt, wieder vor seinen Augen zu...
Als das Schiller-Theater in Berlin 1993 geschlossen wurde, da hatte das noch irgendwie Stil. Da waren Empörung und Protest bundesweit: Da ging es darum, dass wegen fehlender oder falsch verteilter schnöder Finanzen ein traditionsreiches Haus und die Hochkultur überhaupt geschleift wurde.
Heute ist das anders. Dabei geht es nicht um ein einziges, es geht um eine...
