Kämpfer auf verlorenem Posten

… sind Werner Wölberns Spezialität. Der Schauspieler ist zwar schüchtern, hat aber keine Scheu vor Schurken, Unsympathen und Verlierern

Theater heute - Logo

Es muss ein Versprechen im Theaterspielen geben, das extreme Widerstandskräfte ausbildet.

Wie sonst hält es ein Mensch aus, permanent vom Urteil anderer abhängig zu sein, sich lebenslang Kritik und verletzenden Bemerkungen auszuliefern? Was macht den Schauspieler immun gegen Misserfolge, die er sich nicht erklären kann? Wie schützt er sich gegen Verzweiflung, wenn seine Berufsausübung vom göttlichen Ratschluss eines Intendanten, seiner Dramaturgen, des Regisseurs abhängt? 
 

Die meisten Schauspieler, die man nach dem Lohn für diese Ängste fragt, sagen, sie wüssten es nicht wirklich. Natürlich schämen sie sich ein wenig, weil in einer Antwort die Falle lauert, als eitler Geck dazustehen, der süchtig nach Applaus ist, nach Komplimenten, nach Präsentation seiner besten Seiten. Zumal diese Sehnsüchte vermutlich tatsächlich Teil der Antwort sind. Aber dabei ertappt zu werden, dass man bewundert und geliebt sein will, erklärt noch nicht vollständig die Beharrlichkeit, mit der die meisten Schauspieler immer wieder Niederlagen verkraften, um spielen zu können. Und auch mit psychologischen Küchenweisheiten über masochistische Grundstrukturen, quälende Mangelgefühle oder kindliche Sehnsucht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2010
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schuldklage, geschlechterspezifisch

Sind die Frauen die «Guten» und die Männer die «Bösen»? Nach einer Vorstellung von Tom Lanoyes neuem Stück «Atropa» (ob die der deutschen Erstaufführung in Nürnberg oder die unmittelbar darauffolgende im Theater Konstanz) ist man nicht ganz abgeneigt zu sagen, dass es sich der Autor vielleicht doch etwas zu einfach gedacht und gemacht hat. Den Ur-Mythos von «der...

Rätselspiel Vergangenheit

Aimée hat was im Kopf, und das ist leider nicht nur die übliche Gehirnmasse. Mitten im Gewebe sitzt ein Knochen, um den sich ein fieser kleiner Tumor rankt. Deshalb hat sie auch immer mal wieder epileptische Anfälle mit Visionen eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Und deshalb stirbt sie, bevor ihre Tochter Loup erwachsen werden kann. Die muss nun als...

Rache ist süß!

Er hatte sich mal wieder gründlich und vermutlich genussvoll im Ton vergriffen, Berlins Lieblings-Buhmann. Als Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin im Oktoberheft von «Lettre international» Berlin eine düstere Zukunft prognos­tizierte, wenn die Stadt sich nicht schnell und rabiat der Integrationsprobleme insbesondere türkischer und arabischer Zuwanderer  annehme, hatte...