Die Rückkehr der vierten Wand

Konzept oder Konvention? Alvis Hermanis taucht am Wiener Akademietheater in die Untiefen von Tracy Letts’ «Eine Familie» – und schickt Barbara Nüsse und André Jung in das Fastechtzeitspiel zweier Erzählungen von Isaac B. Singer

Theater heute - Logo

Der Schriftsteller und Alkoholiker Beverly Weston ordnet letzte Dinge. Bei Michael König schaukelt er dazu behaglich ein gut gefülltes Whiskyglas in den Händen, umschreitet mehrfach den zerschlissenen Ledersessel vor dem Kamin und wirft noch einen kopfschüttelnden Blick auf zwei, drei Manuskriptblätter, bevor er sie versonnen den Flammen opfert. Der jungen Indianerin Johnna, die er einstellen will, damit sie künftig den Haushalt führt, eröffnet er heiser orakelnd mit T. S. Eliot: «Das Leben ist sehr lang.

» Eine Szene später schon ist der Hausherr verschwunden, und die erwachsenen Töchter und ihre Familien versammeln sich im Elternhaus, um ihrer verlassenen Mutter Violet beizustehen. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Beverly hat sich das Leben genommen.
 

Berechenbare Überraschungen

Tracy Letts’ pulitzerpreisgekrönter Broadwayerfolg «August: Osage County», auf Deutsch meist übersetzt mit «Eine Familie», ist nun auch an der Wiener Burg und bei Alvis Hermanis angekommen. Ende 2008 hatte Burkhard C. Kos­miniski in Mannheim die deutschsprachige Erstaufführung inszeniert; in dieser Spielzeit steht das Familiendrama gleich an mehreren Häusern auf dem Programm. Denn Letts Stück ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Heimatfolklore

Das neoliberale Unternehmen Hamburg hat ein Imageproblem. Gerade glaubte sich Hamburg noch weitgehend ungestört bei der Realisierung von Elbphilharmonie-Großvisionen und überhaupt ganz vorn in Sachen Stadtentwicklungstraum, da kommt seitens der zwangsmitentwickelten Stadtbevölkerung tatsächlich Protest «in die Gänge» und behauptet sein «Recht auf Stadt». Seit...

Merry crisis

Die Atriden haben Nerven. «Dem Volke» haben sie auf ihren Palast der Republik gepinselt und die Front totalverglast. Das soll bürgernah wirken, transparent, offen für alle. Irgendwann muss den Atriden die ewige Bürgernähe aber auf den Geist gegangen sein, sie verrammelten die Türen, zogen die Vorhänge zu, segelten nach Troja und sind seither nicht mehr zu...

Premieren im Januar

Aachen, Grenzlandtheater

Kasse: 00 41/1/261 21 79
25. Shanley, Zweifel

R. Anja Junski
 

Aachen, Theater

Kasse: 0241/47 84 244

16. von Mayenburg, Der Stein

R. Nicolai Sykosch

21. Mansmann nach Horváth, Jugend ohne Gott

R. Nora Mansmann

22. nach Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

R. Ann-Marie Arioli
 

Aalen, Theater der Stadt

Kasse: 07361/522 600

7. Keun,...