Ingolstadt: Fragmente der Furcht
Bevor man den Theatersaal betritt, wird man erst einmal von einer Art Stewardess mit einem Detektor abgetastet. Es piepst. Später ertönt ein schriller Dauerwarnton, und alle Zuschauer müssen geordnet in Gruppen den Raum verlassen und stehen draußen herum. Auf den Dächern ringsum vermummte Gestalten mit Maschinenpistolen. Es ist kalt.
Am Ende ist der Mann mit der Knarre, von dem dauernd die Rede war, doch nicht erschienen, der Teddy bekommt den Kopf zurück, der ihm zuvor brutal abgerissen wurde, auf dem Teppich bleibt die Dreckspur rätselhaft und ein paar Erdbeeren sind an der Wand zerplatzt.
Nina Segals Stück «Big Guns», das in Ingolstadt von Mareike Mikat deutsch erstaufgeführt wurde, baut mit zwei Figuren verschiedenste Szenarien der alltäglichen Bedrohung auf, umkreist den Schock, lockt mit der Angst, stört die Beruhigung: Nichts ist sicher, und schuld an diesem diffusen Gefühl des Ausgeliefertseins sind letztlich wir allein. «Wir erwarten Gewalt. Wir fürchten sie. Wir verstecken uns davor. Wir suchen danach. Wir schaffen sie. Wir erzeugen sie, auch wenn wir versuchen, uns von ihr abzuwenden», schreibt die britische Autorin, die 2018 für den Berliner Stückemarkt nominiert war. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Angeführt von einem Stumpen, zuckelt der Tobler-Clan über die Bühne und saugt gierig die ersten Eindrücke auf, die der neue Gehilfe des Hauses verströmt. Der Stumpen steckt zwischen den Zähnen des Patrons – Carl Tobler, Erfindungen aller möglichen sowie unmöglichen Art; der Neuankömmling Joseph Marti steckt im schwarzen Anzug, eine unglückliche, aufgrund prekärer...
Mit Volker gab es keine Proben. Statt zu proben kam Volker mit dem Taxi zu mir nach Weißensee, wir haben ohne viel zu reden Opernfilme gekuckt: Jean Pierre Ponelle, Otto Schenk, Karajan und unsere Lieblingstenöre gehört. Max Lorenz, der schwule Wagnerheld, war der genialste. Volker hatte ihn in Wien persönlich kennengelernt, als er dort am Max-Reinhard-Seminar...
Unter dem schönen Titel «Dokumente, Pläne, Traumreste» präsentiert der Leiter der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln, Peter W. Marx, im Alexander Verlag einen attraktiven, sehr bunt zusammengewürfelten Band zum 100-jährigen Jubiläum der Sammlung. Doch dem Titel werden viele der genderspezifisch und politisch zweifellos korrekt formulierten Textbeiträge von...
