Ingolstadt: Fragmente der Furcht
Bevor man den Theatersaal betritt, wird man erst einmal von einer Art Stewardess mit einem Detektor abgetastet. Es piepst. Später ertönt ein schriller Dauerwarnton, und alle Zuschauer müssen geordnet in Gruppen den Raum verlassen und stehen draußen herum. Auf den Dächern ringsum vermummte Gestalten mit Maschinenpistolen. Es ist kalt.
Am Ende ist der Mann mit der Knarre, von dem dauernd die Rede war, doch nicht erschienen, der Teddy bekommt den Kopf zurück, der ihm zuvor brutal abgerissen wurde, auf dem Teppich bleibt die Dreckspur rätselhaft und ein paar Erdbeeren sind an der Wand zerplatzt.
Nina Segals Stück «Big Guns», das in Ingolstadt von Mareike Mikat deutsch erstaufgeführt wurde, baut mit zwei Figuren verschiedenste Szenarien der alltäglichen Bedrohung auf, umkreist den Schock, lockt mit der Angst, stört die Beruhigung: Nichts ist sicher, und schuld an diesem diffusen Gefühl des Ausgeliefertseins sind letztlich wir allein. «Wir erwarten Gewalt. Wir fürchten sie. Wir verstecken uns davor. Wir suchen danach. Wir schaffen sie. Wir erzeugen sie, auch wenn wir versuchen, uns von ihr abzuwenden», schreibt die britische Autorin, die 2018 für den Berliner Stückemarkt nominiert war. ...
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