Mannheim: Wir weben – dagegen
Manche Standard-Perspektiven, -szenen und -formulierungen verwechselt man mit der Realität, einfach weil sie wieder und wieder und wieder reproduziert werden. Aber, Überraschung, das alles ist gar nicht die Welt. Es ist ein Abbild. Ein verstaubtes, ein einseitiges, enges, ein nicht zuletzt gefährliches. Diesem zumeist männlichen, heteronormativen, national-sesshaften Blick etwas entgegenzusetzen, Raum für neue Perspektiven zu bieten, ist an den Bühnen derzeit so angesagt wie notwendig.
Das Schauspiel Mannheim wartet mit gleich zwei klugen Perspektivverschiebungen auf: Die Uraufführung «Batallion» von Enis Maci schafft eine Gegenerzählung zum männlichen Blick, die Romanadaption «Ellbogen» von Fatma Aydemir eine zum autochthon deutschen.
Enis Maci setzt für «Bataillon» eine Gruppe junger Weberinnen in einen postapokalyptischen Hochhauskeller. Sie weben. Vordergründig an irgendwie kriegsnotwendigem Tarntextil, konkret an einer neuen Geschichtsschreibung. Diese neue Form, Geschichte zu begreifen und weiterzugeben, stellt sich quer zu der gängigen linearen, auf so genannte große Männer fixierten: Sie rückt, nicht ohne Wortwitz und Ironie, vor allem Frauen ins Zentrum. Diese werden als ...
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Aufführungen
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