Mannheim: Wir weben – dagegen

Fatma Aydemir «Ellbogen», Enis Maci «Bataillon»

Theater heute - Logo

Manche Standard-Perspektiven, -szenen und -formulierungen verwechselt man mit der Realität, einfach weil sie wieder und wieder und wieder reproduziert werden. Aber, Überraschung, das alles ist gar nicht die Welt. Es ist ein Abbild. Ein verstaubtes, ein einseitiges, enges, ein nicht zuletzt gefährliches. Diesem zumeist männlichen, heteronormativen, national-sesshaften Blick etwas entgegenzusetzen, Raum für neue Perspektiven zu bieten, ist an den Bühnen derzeit so angesagt wie notwendig.

Das Schauspiel Mannheim wartet mit gleich zwei klugen Perspektivverschiebungen auf: Die Uraufführung «Batallion» von Enis Maci schafft eine Gegenerzählung zum männlichen Blick, die Romanadaption «Ellbogen» von Fatma Aydemir eine zum autochthon deutschen.

Enis Maci setzt für «Bataillon» eine Gruppe junger Weberinnen in einen postapokalyptischen Hochhauskeller. Sie weben. Vordergründig an irgendwie kriegsnotwendigem Tarntextil, konkret an einer neuen Geschichtsschreibung. Diese neue Form, Geschichte zu begreifen und weiterzugeben, stellt sich quer zu der gängigen linearen, auf so genannte große Männer fixierten: Sie rückt, nicht ohne Wortwitz und Ironie, vor allem Frauen ins Zentrum. Diese werden als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Cornelia Fiedler

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (4/2020)

Das Berliner Theatertreffen wird wegen der Corona-Krise zum ersten Mal in 57 Jahren ausfallen, eine bittere Pille für alle betei­ligten Künstler, Mitarbeiter und das Publikum. In unserem nächsten Heft wird das Programm trotzdem stattfinden: Was vom Theater bleibt, steht in Theater heute!

Body Suspension ist eine performative Technik, sich Haken in die Haut bohren...

Parodie zwecklos

Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die sich auch eine Literaturnobelpreisträgerin nicht besser ausdenken könnte. Die «Ibi­za-Affäre» ist so ein Fall: Ein österreichischer Rechtspolitiker, der dabei gefilmt wird, wie er in einer spanischen Ferienvilla bei Unmengen von Zigaretten und Wodka Red Bull einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte das halbe Land...

Energie für Gemeinschaftlichkeit

Theater heute Theater der Welt wurde 1979 vom Internationalen Theaterinstitut als «Theater der Nationen» in Hamburg gegründet und hieß ab 1981 in Köln «Theater der Welt». Damals ging es um die dringend nötige Internationalisierung eines sehr selbstzentrierten deutschen Literaturtheaterbetriebs, und das Festival war eine Art Vorreiter. Später wurde es dann ein...