Im Kino: Der lange Moment

Maren Ade hat mit «Toni Erdmann», Peter Simonischek und Sandra Hüller das Wunder von Cannes gedreht

Theater heute - Logo

Ein «Pfingstwunder», jubelte das deutsche Feuilleton, als Maren Ades Film «Toni Erdmann», der erste deutsche Wettbewerbsfilm in Cannes seit acht (!) Jahren, die internationale Kritikerschar zu Standing Ovations hinriss. Keiner hatte damit gerechnet, dass eine fast dreistündige (!) deutsche (!) Komödie (!) 14 Tage lang als Favorit auf die Goldene Palme im Gespräch sein könnte.

Ein Film, bis in die winzigsten Rollen besetzt mit Schauspielern, wohlbekannt im deutschen Theater und nirgends sonst: Niels Bormann spielt einen Postboten, Ruth Reinecke eine Ex-Frau, Michael Wittenborn einen Unternehmenschef mit höflichst platzierten Demütigungsstrategien; auch Hans Löw und Julischka Eichel sind ca. 30 Sekunden im Bild. Ein Zusatzspaß für Theaterfans. Aber auch die werden sehr schnell nur noch sehr hingerissen auf das skurrile Paar starren, das in Kombination mit einem brillanten Drehbuch «Toni Erdmann» zum Standing-Ovations-Ereignis macht: der Wiener-Burgtheater-Hero Peter Simonischek als Musiklehrer Winfried und sein Alter Ego Toni Erdmann und die zweimalige Schauspielerin des Jahres (2010 und 2013) Sandra Hüller als seine verlorene Tochter Ines.

Scherzen gegen die Tristesse

 

Wilfried ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Die Stadt, der Müll und die Kinder

 Besucher überrascht Brüssel mit seltsamen Raumerfahrungen. Man passiert etwa den riesigen Justizpalast und steht plötzlich vor einem Fahrstuhl im Freien, der einen hinab in die Unterstadt bringt, als ginge es geradewegs zum Schafott. Sobald eine Straße hübsch oder elegant zu werden droht, stellt sich eine brutalistische Wand aus den Siebzigern oder eine düstere...

Widerstand gegen Erdogan

Alles Gute zum Jahrestag! Wünschen wir uns gegenseitig am 31. Mai 2016 im Foyer des Ikincikat Theaters in Karaköy, Istanbul. Heves Duygu Tüzün und Sami Berat Marçali sind zwei der drei BegründerInnen des Off-Theaters, das übersetzt «Zweites Stockwerk» heißt. Hier habe ich letztes Jahr die Produktion «P*rk» gesehen. Ein Stück über junge Leute nach den...

Kulturpolitik: Opfer des Erfolgs

Es entbehrt nicht der Ironie, dass der Theatermacher Hans-Werner Kroesinger seine erste Theatertreffen-Einladung ausgerechnet mit einer Stadttheaterproduk­tion – «Stolpersteine Karlsruhe» vom Badischen Staatsschausspiel – erhielt. Kroesinger und seine Dramaturgin Regine Dura prägen seit vielen Jahren mit ihrem politischen Dokumentartheater insbesondere die Freie...