Spiel mir das Lied vom Überdruss
Terrasse, Salon, Parkbank, Pavillon, Terrasse, Salon, Parkbank … Wie eine Filmdiva auf dem roten Teppich dreht sich das Bühnenbild von Martin Miotk anfangs im Rampenlicht um die eigene Achse, lässt sich von allen Seiten bewundern, hüllt sich dann aber dezent in Halbdunkel – und der Film beginnt. Eine Leinwand im kitschigen Blumenrahmen bietet Einblicke in das Geschehen auf der Rückseite der Kulissen, erst nach einer halben Stunden betritt der erste Mensch die Bühne.
Die anwesenden Damen und Herren flirten mit der Live-Kamera wie in einer Dokusoap, je nach Status mehr oder weniger souverän: Ute Fiedler lockt als Witwe und Noch-Gutsbesitzerin Anna Petrowna mit elegant gelangweiltem Augenaufschlag, Christoph Bornmüllers Frauenschwarm Michail Platonow wirkt wie ein hyperaktiver Junge, der TV-Moderator spielt, und Kerstin König gibt ihrer von Komplexen gebeutelten Marja Grekowa eine quälende Unsicherheit. Gescriptet hat diese Reality in historischen Kostümen Teenager Anton Tschechow, der irgendwas mit Medien machen wollte.
Regisseur Christian Weise und Dramaturgin Maria Viktoria Linke reduzieren den ausladenden 7-Stünder auf knapp die Hälfte, spitzen die kleinen Sprachfrechheiten derb ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Cornelia Fiedler
Pläne der Redaktion
Die Festivalsaison ist in vollem Gang zwischen Wien, Brüssel, Posen und Hannover!
Herbert Fritsch feiert schon mal vorsorglich eine furiose «Apokalyse» in Recklinghausen
Tena Stivicic lebt in London und weiß Europa zu schätzen. Gerade weilsie die kroatische und jugoslawische Geschichte so gut kennt: «Drei Winter», eine Familiengeschichte von...
Die guten alten Zeiten sind wieder da: Ungarische Tageszeitungen und Magazine entrüsten sich über Performances mit politischen Inhalten und fordern dazu auf, den künstlerischen Direktor zu entlassen oder die Aufführung abzusetzen; oder sie diskreditieren mindestens den Künstler persönlich. Als Thomas Ostermeier (im Rahmen des MITEM Festivals) seine Lausanner...
Nach der Premiere gab es Standing Ovations für Regisseur Gerhard Willert, und eine Schauspielerin brach beim Applaus in Tränen aus. Rührung oder Abschiedsschmerz? In Linz geht eine Ära zu Ende: Mit Intendant Rainer Mennicken verlässt mit Saisonschluss – nach 18 Jahren – auch Langzeitschauspieldirektor Willert das Haus, der schon unter Mennickens Vorgänger im Amt...
