«Du hast gerufen, geliebter Führer!»

In Ungarn geht die Presse wieder gezielt aufs Theater los – zuletzt auf Béla Pintérs «Champion» im Katona Jozsef Theater

Theater heute - Logo

Die guten alten Zeiten sind wieder da: Ungarische Tageszeitungen und Magazine entrüsten sich über Performances mit politischen Inhalten und fordern dazu auf, den künstlerischen Direktor zu entlassen oder die Aufführung abzusetzen; oder sie diskreditieren mindestens den Künstler persönlich.

Als Thomas Ostermeier (im Rahmen des MITEM Festivals) seine Lausanner Inszenierung von Tschechows «Möwe» am Budapester Nationaltheater zeigte, fügte er in einer improvisierten Szene einige Anspielungen auf die Abschottung der ungarischen Grenze ein, auf die ungarische Flüchtlingspolitik und auf Viktor Orbán. Die Geschichte eines syrischen Arztes war schon in Lausanne Teil der Inszenierung, aber die ungarischen Bezüge wurden speziell für dieses Gastspiel in Budapest erfunden. Die konservative Tageszeitung «Magyar Idók» bezeichnete die Aufführung als «liberalen Agitprop» und outete Attila Vidnyánszky als Schuldigen: Die Fidesz-Partei habe ihn nicht zum Intendanten berufen, damit er solche Dinge zuließe. 

Puccini und Trash

 

Béla Pintérs neueste Premiere im Katona József Theater, die erste außerhalb seiner freien Gruppe, ist eine Musikproduktion mit kleiner Besetzung nach Puccinis Einakter «Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2016
Rubrik: Ausland, Seite 36
von Andrea Tompa

Weitere Beiträge
Bilanz: Der Burg-Report

Ein Bericht des Österreichischen Rechnungshofs glänzt nicht unbedingt durch die gewandteste Prosa. Aber dafür bietet er tiefe Einblicke in die eigenwilligen Finanzpraktiken am Burgtheater unter Matthias Hartmann, der in den fünf Jahren seiner Leitung von September 2009 bis zu seiner fristlosen Kündigung am 11. März 2014 über zwei Millionen Euro bezogen hat. Laut...

Spiel mir das Lied vom Überdruss

Terrasse, Salon, Parkbank, Pavillon, Terrasse, Salon, Parkbank … Wie eine Filmdiva auf dem roten Teppich dreht sich das Bühnenbild von Martin Miotk anfangs im Rampenlicht um die eigene Achse, lässt sich von allen Seiten bewundern, hüllt sich dann aber dezent in Halbdunkel – und der Film beginnt. Eine Leinwand im kitschigen Blumenrahmen bietet Einblicke in das...

Gewalt und Sprache

Auch darstellungstechnisch betrachtet ist Gewalt der Ernstfall: Der vielleicht deutlichste Unterschied zwischen Film und Theater besteht in der Illusion von Gewalt, die sich im Film sehr plastisch erzeugen lässt. Im Theater dagegen kann körperliche Gewalt nur höchst bedingt dargestellt werden, da sie zu Verletzungen führen würde. Eine Spielart der klassischen...