«Ich muss meine Figuren beschützen»
Es sind krasse Gegensätze, die sie in ihren Figuren zu vereinen weiß: etwa eine wunderliche Kindlichkeit, Unschuld, auch Unterwürfigkeit auf der einen Seite und eine gewisse Durchtriebenheit, lebenserfahrene Reife und Selbstbestimmtheit auf der anderen.
Agnes Sorel in Schillers «Jungfrau von Orleans» ist so eine Figur, der die junge Schauspielerin Vassilissa Reznikoff dadurch Komplexität verleiht: «Mir geht’s gut. Weißt du, manchmal habe ich so ’nen Augenblick der Schwäche, dann zerfall ich für eine Sekunde in kleine Stücke und alles ist irgendwie offen.
» Verzweifelte Worte der Agnes, die auch den Kern dessen treffen, was Reznikoffs Schauspielkunst ausmacht: die permanente Absturzgefährdung ihrer Rollen, ihre existenzielle Gratwanderung zwischen Selbstaufgabe und Selbstbestimmung mitzuspielen.
Wunderlich Kindliches steckt in ihrer Stimme, ja, aber gleichzeitig liegt da auch alles mögliche andere auf der Lauer, je nach Rolle: Aggressionen zum Beispiel und die Bereitschaft zur völligen Aufgabe der Affektkontrolle, was sie 2019 als Maria Stuart in Claudia Bauers grandioser Mannheimer Inszenierung von Schillers Königinnendrama zeigte – wenn ihrer Maria beim ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Verena Großkreutz
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