Holz-Panzer und Fallobst-Schnaps
Wunder der Prärie» – ein Festival, das diesen Namen wählt, muss sich allein auf weiter Flur fühlen. Zu Recht: Nicht nur in seinem Austragungsort Mannheim ist es das einzige Festival der Freien Szene, im ganzen südwestdeutschen Raum gibt es kaum Konkurrenz oder Mitstreiter. «Wunder der Prärie» will in dieser Diaspora zwei Dinge bewirken, sagt Gabriele Oßwald, Teil der künstlerischen Leitung: in einer Werkstattatmosphäre junge Künstler fördern und die Stadt künstlerisch besetzen, ihre Themen mit den Bürgern verhandeln.
Ein urbanes Thema drängt sich dem zehntägigen Performance- und Kunstfestival schon durch seinen Standort auf – das der Gentrifizierung, der Frage nach dem Für und Wider der «Aufwertung eines Stadtteils». Mitten im Mannheimer Jungbusch, in einem alten Fabrikgebäude, ist das Künstlerhaus «Zeitraumexit» untergebracht, das «Wunder der Prärie» ausrichtet; temporär dient es als Festivalzentrum. Gegenüber müssen große Häuser gestanden haben, jetzt scheint die Herbstsonne durch die Fensterhöhlen einer letzten Fassadenwand. Schuttberge, dahinter das Rheinufer. Die einsame Fassade wird bald Teil eines Kreativwirtschaftszentrums sein, mit schicken Lofts, Start-ups und Galerien mit ...
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Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Festivals, Seite 52
von Barbara Behrendt
«Nackte Tatsachen», das Stück im Stück, steht kurz vor der Premiere, die Generalprobe zieht sich in die Nacht. In Katrin Bracks klapprig wirkendem Sperrholzbühnenbild über zwei Etagen hecheln die Schauspieler hinter ihren Figuren durch eine zotige Schmierenkomödie. Schauspielerin Traute von Dorffmanstrautt (Victoria Trauttmansdorff) kämpft lasziv entnervt als...
Das Rauschen des Meeres. Rhythmisch schwanken die verlorenen Menschen hin und her, während die Musiker den Takt vorgeben. Eine Frau in Weiß (Claudia Iglesias Ungo) taucht auf der Kante des verrotteten Schwimmbadbunkers auf, zieht geisterhaft ihre Kreise, während zwei Immigranten (Robin Sondermann und Alexander Swoboda) ihr zusehen, aber aus Angst vor Entdeckung der...
Unter dem Vorhang blitzt ein Schuh. Als sich der Vorhang lüftet, gehört der Schuh zu einer Leiche und die Leiche zum ersten Fratzenbild, das Regisseur Herbert Fritsch dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt ins Komödienschuhfach geschoben hat.
«Die Physiker» spielen im Irrenhaus. Wobei Fritsch die Raumfrage wie üblich selbst gelöst hat, und zwar einfach raffiniert....
