Harald Mueller (1934 – 2021)
Sein größter Erfolg war «Totenfloß». Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl und einer Chemiekatastrophe bei Sandoz in Basel wurde es das Stück des Jahres 1986, bald von über zwei Dutzend Theatern gespielt. Vier körperlich und seelisch verkrüppelte Überlebende einer verstrahlten Landschaft, von der nur wenige bewohnbare Areale übrig geblieben sind, treiben auf einem Floß den Rhein hinunter, alle menschlichen Gefühle hinter sich lassend.
Da trafen sich die Ängste vor Umweltzerstörung und Atomkatastrophe in der Endphase des Kalten Kriegs in einer Dystopie, die auch dreieinhalb Jahrzehnte später wenig an Dringlichkeit verloren hat.
Geboren 1934 in Memel, 1945 mit der Familie in Schleswig-Holstein gestrandet, schlug sich Harald Mueller mit verschiedenen Jobs durch, bis er – nach Schauspielausbildung und Studium von Theaterwissenschaft wie Germanistik – zum Stückeschreiber wurde: ein Chronist der alten Bundesrepublik, ihrer Debatten und sozialen Konflikte mit Texten wie «Winterreise» (1977), «Henkersmahlzeit» (1979) oder «Frankfurter Kreuz» (1979), einem sozialen Querschnitt vom Stadtstreicher bis zum Konzernlenker. Am 27. Dezember ist Harald Mueller in Berlin gestorben.
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 60
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