Kein Platz für Sinnsuche

Bastian Kraft inszeniert «Die Schwerkraft der Verhältnisse» von Marianne Fritz am Akademietheater

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Martin Kušej beweist am Burgtheater ein gutes Händchen für vergessene Autorinnen. Nach «Der Henker» von Maria Lazar und «Automatenbuffet» von Anna Gmeyner (2021 zum Theatertreffen eingeladen) hat sich nun Bastian Kraft einer steirischen Schriftstellerin genähert, deren Werk als unbezwingbare Festung gilt. Marianne Fritz (1948–2007) ist eine mythenumwobene Erscheinung in der österreichischen Literaturlandschaft, eine radikale Einzelgängerin, deren zunehmend erratischer werdende Romanprojekte nicht nur bei der Literaturkritik für Ratlosigkeit gesorgt haben.

3392 Seiten umfasste allein ihr Romanzyklus «Dessen Sprache du nicht verstehst», für den sich der «Spiegel»-Kritiker Wolfgang Nagel 1985 einen Monat frei nahm, um ihn zu lesen – und trotzdem daran scheiterte: «Auf Seite 2934 gab ich mich geschlagen. Bedingungslose Kapitulation. Große Erleichterung.» Selbst Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stücke und Romane ja auch nicht gerade als Spaziergang gelten, sagt über ihre Kollegin: «Es ist ein singuläres Werk, vor dem man nur stehen kann wie ein gläubiger Muslim vor der Kaaba. Wahrscheinlich bin ich im Ganzen zu klein für Marianne Fritz, sie geht nicht in mich hinein.»

Bastian ...

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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Karin Cerny

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