Gute Zeiten, schlechte Zeiten
So schlecht können die Zeiten gar nicht sein, gekokst wird immer. Kasimir hat zwar gerade seinen Job als Chauffeur verloren, aber wozu kennt er einen kleinkriminellen Dealer? Karoline möchte sich gesellschaftlich hocharbeiten, das weiße Pulver gehört zum Aufstieg ja quasi dazu. Seltsam eigentlich, dass noch niemand das Oktoberfest von seiner Drogenseite her beleuchtet hat: als schneller, trauriger Rausch, der rasant in einen bodenlosen Kater führt.
Normalerweise wird in Ödön von Horváths Oktoberfest-Klassiker «Kasimir und Karoline» zünftig Bier getrunken.
Das Zerbrechen einer Beziehung wird als böses Märchen erzählt, von einem Paar, das durch die Wirtschaftskrise hart auf die Probe gestellt wird – und scheitert. Wo der Kapitalismus zuschlägt, hört die Liebe auf. In Horváths berühmter «Stille» wachsen einem die unbeholfenen Figuren meist schnell ans Herz. Sie würden ja gern gut sein, aber irgendwie hat sich alles gegen sie verschworen, weil das Politische halt leider auch privat ist. Vielleicht sind wir zu schwer füreinander, sagt Karoline am Beginn.
Regisseurin Mateja Koležnik ist gnadenlos, sie hat das Stück zugespitzt und auf Koks gesetzt. Die beiden sind nicht zu schwer, ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Karin Cerny
Wenn der Wohlstand und die Stadtkasse in Gefahr sind, dann sieht es schlecht aus mit der Moral. Das machte Henrik Ibsen schon vor 140 Jahren in seinem gesellschaftskritischen Drama «Der Volksfeind» klar. Darin geht es um einen Bade-Kurort, dessen Heilwasser – regionaler Wirtschaftsfaktor Nummer 1 – durch giftige Abwässer verseucht wird. Der Aufdeckung diese...
Clemens J. Setz’ «Der Triumph der Waldrebe in Europa»
Was heißt hier Wirklichkeit?, fragt sich Renate, Mutter von David, der mit damals acht Jahren vor einiger Zeit bei einem Autounfall umgekommen ist. Und ihre Antwort lautet: «Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns», also ihr und ihrem Mann Konrad. Fortan wird kein Toter betrauert, sondern ein Rollstuhl...
Eine Diskussion über Theaterkritik ist für einen Theaterwissenschaftler ein in vielfacher Hinsicht vermintes Gelände: Erstens sollte er tunlichst vermeiden, auch nur die leiseste Spur von Arroganz an den Tag zu legen – als sei seine Einsicht per se eine tiefere, verbrieftere, fundiertere als jene der Theaterkritiker:innen. Das ist sie nicht. Zweitens sollte er...
