Überm Abgrund

nach Ibsen «Eine Volksfeindin» im Nationaltheater Mannheim

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Wenn der Wohlstand und die Stadtkasse in Gefahr sind, dann sieht es schlecht aus mit der Moral. Das machte Henrik Ibsen schon vor 140 Jahren in seinem gesellschaftskritischen Drama «Der Volksfeind» klar. Darin geht es um einen Bade-Kurort, dessen Heilwasser – regionaler Wirtschaftsfaktor Nummer 1 – durch giftige Abwässer verseucht wird. Der Aufdeckung diese Umweltskandals widersetzt sich am Ende die gesamte Stadtgemeinschaft. Aktueller kann ein Thema nicht sein. Allerdings nur, wenn man es knallhart und konkret aktualisiert. Dann kann das alte Stück noch sehr gut zünden.

 

Eine nicht nur in diesem Sinne vorbildliche Inszenierung des Stücks kann man jetzt am Mannheimer Nationaltheater in der Interimsspielstätte «Altes Kino Franklin» sehen. Katrin Plötner führte Regie. Aus dem Badearzt Thomas Stockmann ist dort «Eine Volksfeindin» geworden, die neben ihrem Job als Ärztin und ihrem Walten als Umweltskandal-Aufdeckerin auch eine multitaskende Mutter ist: Während sie mit ihrem Stadtrat-Bruder und anderen streitet, pumpt sie sich Milch fürs Baby ab oder erledigt ihre Sportchallenge. Maria Munkert spielt sie sehr überzeugend, diese eloquente Klima-Aktivistin, die sich immer echauffierter ...

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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 77
von Verena Großkreutz

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