Gute Leute, böse Leute
Per aspera ad astra. Durch Niederungen zu neuen Höhen. Zwei Jahre nach der wirklich sauren Corona-Ausgabe ist die große Biennale des Kinder- und Jugendtheaters «Augenblick mal!» zurück. Und stärker denn je.
Die Bildschirme des Social-Distancing-Festivals 2021 sind vergessen, man streift wieder durch die ganze Stadt Berlin und lässt sich etwa am Grips Theater zu den Klängen von Strawins -kys «Sacre du printemps» von den Tanzkomplizen durchschütteln, die in einer energetischen Dreiviertelstunde den Krump-Stil der Schwarzen Community von Los Angeles in einen sandigen Tanzring auf die Grips-Bühne wuchten («Human Race – The Rite of Krump», Choreografie Grichka Caruge und Ensemble). Oder man sucht in Hinterhöfen im Wedding nach einer verschollenen Fabrikhalle und schaut dort, wie drei Performer:innen die Verwendbarkeit von langen Weidenzweigen erkunden und sich mit ihnen gemächlich eine Art Arche Noah einrichten («Harvest», Choreografie Isabelle Schad fürs Berliner Theater o.N., eine Bühne für die Allerjüngsten).
Die frostigen Zeiten, da Theater ihr Publikum in Zoom-Konferenzschaltungen bespielen mussten, kommen allenfalls noch als ironische Reminiszenz vor. Im Foyer des Theaters an der ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Kindertheater, Seite 38
von
Der alte weiße Mann dankt ab. Allerdings nicht so richtig: Das zentrale Problem in Shakespeares «König Lear» ist, dass der Titelheld zwar die Macht an seine Töchter weitergibt, dabei aber nicht wirklich die Zügel aus der Hand geben will. Kurz versteinern die Gesichtszüge der Töchter Goneril und Regan, als der scheidende Herrscher ausführt, wie er sich seinen...
Der Starez Sossima, der heilige Mönch, liegt halb erhöht im offenen Sarg wie Holbeins Christus, ausgestellt als Wundertäter, und stinkt. Statt des erwarteten Wunders ereignet sich Fäulnis, und in einer grotesken Choreografie versuchen die Trauergäste und Jünger, mit angehaltenem Atem dem Kadaver gegenüber Haltung zu bewahren. Noch ein paar würdevolle Worte, bis...
Fun dem toyt zolstu ir nit zogn, vayl zi vet nebikh veynen un klogn», heißt es in einem der Volkslieder, die Svetlana Kundish und Mariana Sadovska bei der Eröffnung der fünften und letzten Ausgabe des Festivals Radar Ost gemeinsam auf Ukrainisch und Jiddisch singen – andächtig im Ton und von sehr weit herkommend, in seiner Fremdheit tief berührend. Das alte Lied...
