Das Finale geht weiter
Das ist doch mal konsequent: Sie habe «keine Lust mehr gehabt auf das eitle Kulturgedöns in der Hauptstadt», gibt die ehemalige Museumskuratorin Theta zu Protokoll. Und im Gegensatz zu vielen anderen Unlustbekennerinnen und -bekennern, die das «Gedöns» dann trotzdem noch jahrzehntelang weiter reproduzieren, hat Theta tatsächlich den Ausstieg vollzogen. Sie ist ins schleswig-holsteinische Elmshorn abgewandert, um sich der Taubenzucht zu widmen.
Allerdings: Ob der Taubenschlag auf dem Dach tatsächlich zufriedener macht als der «Kulturgedöns»-Job in der Hand, bleibt fraglich.
Einen wirklich ausgeglichenen Eindruck (von Glück wollen wir mal gar nicht reden) macht Theta jedenfalls nicht, wie sie da in Stephan Kimmigs Inszenierung im wattierten Blaumann betont breitbeinig auf die Bühne stampft und ihren Gast – eine junge Frau namens Erike, die auf ihrer Schwelle steht, um einen einvernehmlich anberaumten Nylonstrumpf-Handel abzuschließen – pampig anfährt, sie möge die Ware auf den Tisch legen. Im Grunde lässt sich bereits hier erahnen, dass es mit Theta, die Anja Schneider als eine klassische Vertreterin des Harte-Schale-weicher-Kern-Stereotyps anlegt, kein gutes Ende nehmen wird (und ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Festivals, Seite 35
von Christine Wahl
Die «Mitbürger» haben sich richtig Mühe gegeben. Extra eine Theke aufgebaut mit Bier und Wein, das erste Getränk gibt’s gratis, dazu kleine Tische auf der Bühne, prominent platziert sogar ein Sofa und emsiges Gerenne und Ge -grüße. Bei aller freudigen Amateurgastronomie, Aufgeschlossenheit und Überschussfreundlichkeit präsentieren sich die sehr bemühten Gastgeber...
Verhörraum oder Orakel? – An beides denkt man bei der seltsamen achteckigen Zelle, die Theresa Scheitzenhammer für Ayse Güvendirens jüngste Regiearbeit in den Werkraum gestellt hat, mit einem Boden aus Luftschachtgitter und vier Wandteilen, die auch als Projektionsfläche dienen, darüber ein Fries mit rot leuchtender Handschrift, die mal «sagen sie» und mal «sag...
Wenn das Telefon klingelt, ist der Spaß vorbei. Dann ist Rom in der Leitung, die Pflicht ruft. Immerhin leben Antonius und Kleopatra noch im Zeitalter der Wählscheibenapparate mit Kringelschnur, die Erreichbarkeit bleibt also überschaubar. Sonst würde Shakespeares Plot auch in sich zusammenbrechen, der zwischen Äypten und Rom zwei Welt- und Menschenbilder...
