Das Finale geht weiter
Das ist doch mal konsequent: Sie habe «keine Lust mehr gehabt auf das eitle Kulturgedöns in der Hauptstadt», gibt die ehemalige Museumskuratorin Theta zu Protokoll. Und im Gegensatz zu vielen anderen Unlustbekennerinnen und -bekennern, die das «Gedöns» dann trotzdem noch jahrzehntelang weiter reproduzieren, hat Theta tatsächlich den Ausstieg vollzogen. Sie ist ins schleswig-holsteinische Elmshorn abgewandert, um sich der Taubenzucht zu widmen.
Allerdings: Ob der Taubenschlag auf dem Dach tatsächlich zufriedener macht als der «Kulturgedöns»-Job in der Hand, bleibt fraglich.
Einen wirklich ausgeglichenen Eindruck (von Glück wollen wir mal gar nicht reden) macht Theta jedenfalls nicht, wie sie da in Stephan Kimmigs Inszenierung im wattierten Blaumann betont breitbeinig auf die Bühne stampft und ihren Gast – eine junge Frau namens Erike, die auf ihrer Schwelle steht, um einen einvernehmlich anberaumten Nylonstrumpf-Handel abzuschließen – pampig anfährt, sie möge die Ware auf den Tisch legen. Im Grunde lässt sich bereits hier erahnen, dass es mit Theta, die Anja Schneider als eine klassische Vertreterin des Harte-Schale-weicher-Kern-Stereotyps anlegt, kein gutes Ende nehmen wird (und ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Festivals, Seite 35
von Christine Wahl
WWW.ARTE.TV
bis 28.8., Nino Haratischwili: «Georgien hat mich nie verlassen»
Dokumentation, Deutschland 2022 Regisseurin Eva Gerberding hat Nino Haratischwili nach Tiflis begleitet. Die Dokumentation taucht mit Archivmaterial, Interviews und kleinen Spielszenen ein in das Georgien der 1990er Jahre.
bis 15.7., Bilder (m)einer Mutter
Der Dokumentarfilm ist...
Am Ende also Elton John. Ganz große Gefühle, intoniert vom soften Flehen der siebziger Jahre. Kinderstimmen lachen im Hintergrund der Tonaufnahme, dazwischen: Vogelgezwitscher, Wellenrauschen. Kurz denkt man, jetzt havariert der Abend unrettbar an riesigen Kitschklippen, jetzt wird er gnadenlos gefühlig, haltlos tränenrührig. Nach zweieinhalb Stunden also Elton...
Der Wiener Schauspieler und Komödienautor Ferdinand Raimund (1790–1836) war Nestroys melancholischer Bruder. Von seinen acht Stücken sind drei mehr oder weniger im Repertoire geblieben, vor allem «Der Alpenkönig und der Menschenfeind» mit seiner psychoanalytisch angelegten Dramaturgie wird dann und wann aus der Schublade geholt. Die übrigen Raimund-Dramen aber sind...
