Das Finale geht weiter
Das ist doch mal konsequent: Sie habe «keine Lust mehr gehabt auf das eitle Kulturgedöns in der Hauptstadt», gibt die ehemalige Museumskuratorin Theta zu Protokoll. Und im Gegensatz zu vielen anderen Unlustbekennerinnen und -bekennern, die das «Gedöns» dann trotzdem noch jahrzehntelang weiter reproduzieren, hat Theta tatsächlich den Ausstieg vollzogen. Sie ist ins schleswig-holsteinische Elmshorn abgewandert, um sich der Taubenzucht zu widmen.
Allerdings: Ob der Taubenschlag auf dem Dach tatsächlich zufriedener macht als der «Kulturgedöns»-Job in der Hand, bleibt fraglich.
Einen wirklich ausgeglichenen Eindruck (von Glück wollen wir mal gar nicht reden) macht Theta jedenfalls nicht, wie sie da in Stephan Kimmigs Inszenierung im wattierten Blaumann betont breitbeinig auf die Bühne stampft und ihren Gast – eine junge Frau namens Erike, die auf ihrer Schwelle steht, um einen einvernehmlich anberaumten Nylonstrumpf-Handel abzuschließen – pampig anfährt, sie möge die Ware auf den Tisch legen. Im Grunde lässt sich bereits hier erahnen, dass es mit Theta, die Anja Schneider als eine klassische Vertreterin des Harte-Schale-weicher-Kern-Stereotyps anlegt, kein gutes Ende nehmen wird (und ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Festivals, Seite 35
von Christine Wahl
Per aspera ad astra. Durch Niederungen zu neuen Höhen. Zwei Jahre nach der wirklich sauren Corona-Ausgabe ist die große Biennale des Kinder- und Jugendtheaters «Augenblick mal!» zurück. Und stärker denn je. Die Bildschirme des Social-Distancing-Festivals 2021 sind vergessen, man streift wieder durch die ganze Stadt Berlin und lässt sich etwa am Grips Theater zu den...
Aus diesem Grab, das ihr Leben ist, kommt Marie nicht mehr heraus. Anfangs lässt sie den Grubensand noch sanft durch die Finger rieseln. Dann versucht sie, sich an den Wänden hochzuziehen, immer wieder, doch der Staub hat sie glatt und unüberwindlich gemacht. Nur Woyzeck schafft es aus dem Erdloch (Bühne Julia Nussbaumer) zum klinisch weißen Haus hinauf, neonkalt...
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