Goethic Rocker
Liebe zu dritt ist ein erstrebenswerter Zustand, wenn es nach der Berliner Combo «Stereo Total» geht. In Frankfurt führt ihr beschwingtes Loblied «L’amour à trois», das die Zuschauer schon beim Eintritt in die Kammerspiele beschallt, aber in die Irre. Der Protagonist des Soloabends frei nach «Werthers Leiden» ist nämlich alles andere als ein fröhlicher Verfechter von Dreiecksbeziehungen. Wobei er sie vielleicht akzeptieren würde, wenn ihn die geliebte Lotte überhaupt ranließe.
So aber schwelgt Goethes berühmter Werther seit mehr als zwei Jahrhunderten in unerfüllter Liebe, um sich zum Schluss eine Pistole an die Schläfe zu setzen.
In Frankfurt wird das Abdrücken allerdings nur angedeutet, der Schuss bleibt aus, nur das Licht verlöscht. Allerdings ist der Schluss an diesem Abend sowieso nicht besonders relevant und genau genommen auch Goethes Briefroman nicht, denn in den 60 größtenteils kurzweiligen Minuten geht es in erster Linie um eins – bzw. einen: den Schauspieler Isaak Dentler. Das Publikum scheint daher auch nicht aus den üblichen Abonnenten, Schulklassen oder Literaturinteressierten zu bestehen, sondern aus Dentler-Fans, die bei jedem Gag jauchzen und sogar während der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Titel ist schnell geklärt, zumindest sein zweiter Teil. Der erste dauert etwas länger. «man wird doch bitte unterschicht» ist ein Zitat aus dem Stück, gesprochen von einem sogenannten Experten für die sozialen Verhältnisse im sogenannten Prekariat, der sich schon vor der letzten Silbe «... schicht» politisch korrekt auf die Zunge beißt. Das anschließende «…...
Noch einmal also die Schlacht der Geschlechter. Genau das ist «Friday Night», Oliver Bukowskis neues Stück, uraufgeführt am emma-theater, der kleinen Spielstätte der städtischen Bühnen in Osnabrück; und im Untertitel verspricht der Autor «eine Damenkomödie mit Herrenopfer». Freitag Abend, kurz vor Wochenende, ist hier die richtige Zeit für die Generalabrechnung:...
Ladies first! In London war Lucy Prebble, 29, im letzten Jahr ein Shootingstar: Ihr Stück «Enron», das im Untergang des texanischen Energie-Konzerns 2001 jene Zockermentalität und Gier skizziert, die auch zur letzten Finanzkrise führte, schaffte den Sprung vom Royal Court ins kommerzielle Westend, wo es bis heute läuft. Die deutschsprachige Erstaufführung hat...
