Gemeinschaft und Individualität
Die Existenz verschiedener Religionen, Ideologien und Ethnien an ein und demselben Ort deutet auf zweierlei hin: nämlich entweder darauf, dass es einen Bürgerkrieg geben wird, oder darauf, dass dieser Ort gedeihen wird. Im Jahr 2015 sind 1.300.000 Menschen nach Deutschland gekommen. 40 Prozent der Bevölkerung haben vielfältige Hintergründe und Ethnien. 200.000 Menschen kommen jährlich nach Deutschland.
Solche Zahlen und Statistiken üben allem Anschein nach Einfluss auf die Welt der Literatur, der Lyrik und des Theaters aus; ihre Existenz als geschriebene Buchstaben an sich verleiht dem Stoff mehr Glaubwürdigkeit und ein Gefühl der Stabilität und Massivität. Kultur ist Moral, und die Moral wiederum ist die Krönung der Erkenntnis. Wir müssen wissen, wer wir sind – wir, die wir heute an einer Heimat teilhaben, welche ehemals anderen Menschengruppen gehörte, die uns in Beschreibungen ähneln, an einem kollektiven Gedächtnis, das mit Nachrichten, Büchern, Geschichtsstunden und Museen überhäuft ist. Nur mit dem Gemeinsamen können wir beginnen. Die Differenzen helfen uns, einzigartig und außergewöhnlich zu bleiben, zu verstehen, wer wir sind und warum wir jetzt hier sind.
Weder ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 74
von Ayham Madji Agha
Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten...
Im Winter 2014 lud die Basler Kulturbehörde zur Vorstellung des designierten Intendanten ins Kunstmuseum Basel. Es war ein halböffentlicher Anlass, gemünzt auf die leidenschaftlichsten Theatergänger und stadtbekannten Influencer. Es gab eigentlich auch gar kein Geheimnis mehr zu lüften, ein gewisser Andreas Beck aus Wien sollte das größte Dreispartenhaus der...
TH «Am Königsweg» ist, wenn wir richtig rechnen, Ihre erste Inszenierung eines Stücks von Elfriede Jelinek?
Falk Richter Nicht ganz. Ich habe vor zehn Jahren am Wiener Akademietheater «Ernst ist das Leben» inszeniert, eine Überschreibung von «Bunbury». Aber das war natürlich kein typischer Jelinek-Text. Da gab es noch Figuren, Dialoge, entliehen von Oscar Wilde. ...
