Eine hässliche Herzogin

Christoph Nußbaumeder «Margarete Maultasch»

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Hier ist es, das Stück zur Debatte um Geschlechtergerechtigkeit, zu #MeToo, zu Ohnmacht und Machtmissbrauch. Und überraschenderweise hat es die Gestalt eines mittelalterlichen Historiendramas. Christoph Nußbaumeders «Margarete Maultasch» ist aber, wie immer bei diesem Autor, viel mehr als nur ein Zeitstück: Es ist Volkstheater und ganz großes Kino, ausladender Geschichtsbogen und Krimi à la «House of Cards».

Aber eben auch die sensible und letztlich tragische Studie einer unfreiwilligen frühen Kämpferin für Gleichberechtigung, die an der Stabilität und Arroganz, an der Bräsigkeit des ungerechten Systems scheitert. 

Margarete von Tirol wird im Jahr 1330 erst 12-jährig verheiratet mit dem verrückten Johann von Luxemburg und damit zur Gräfin von Tirol-Görz. «Ein Leben für ein Land» heißt die ihr aufgenötigte Devise für ihre persönliche Zukunft, der sie gewissenhaft folgt – zumal es sich um ein heiß umkämpftes Hoheitsgebiet handelt: Mit dem kindischen Johann ist kein Erbe zu empfangen, so lässt sich Margarete gegen den Willen der Kurie scheiden und heiratet den Sohn des deutschen Kaisers, einen Garanten für politischen Einfluss. Aus der «kindlichen Kaiserin» wird eine progressive ...

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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 175
von Kathrin Mädler

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