Für Nachschub ist gesorgt
Ein Schubladendasein brauchen junge Autoren, die heute für die Bühne schreiben, längst nicht mehr zu fürchten. Nach Zeiten stiefmütterlicher Vernachlässigung kann man inzwischen fast schon von einem besonders innigen Verhältnis zwischen dem schreibenden Nachwuchs und den texthungrigen Theaterinstitutionen sprechen. Nicht zuletzt hofft man, mit den Stücken der jungen Generation auch die Interessen und Erwartungen angehender Theatergänger auszukundschaften, denn die sind schließlich das Zukunftskapital der Branche.
Bereits zum dritten Mal haben die Münchner Kammerspiele heuer ihr «Wochenende der jungen Dramatiker» ausgerichtet – wieder mit einem halben Dutzend taufrischer Werke aus der Feder angehender Theaterautoren in kurz probierten Werkstattinszenierungen und wieder mit erfreulicher Resonanz beim vorwiegend jüngeren Publikum. Dass es dabei durchaus auch zu Rückkoppelungseffekten mit dem Desiderat der Dramaturgen nach mehr politischer Relevanz und weniger selbstgenügsamer Nabelschau im Eingemachten privater Befindlichkeiten kommen kann, zeigt sich an der diesjährigen Ausbeute: kein Stück, in dem nicht Terrorismus, Krieg, Arbeitslosigkeit, die europäische Osterweiterung oder ...
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Sein Haus, seine Gäste, seine Frau. Der Mann, Jean Hervey, ist zufrieden. Der Zuschnitt, den er seinem Leben gegeben hat, ist auf korrekte Weise luxuriös. Von einem wohlhabenden Erwerbsbürger dieser Jahre um 1900 erwartet man nichts anderes. Und das wärmt sein konformitätsbedürftiges Herz, was wiederum die stärkste Emotion sein dürfte, derer er fähig ist.
Mit...
Titelgebende Tiere sind in beiden Stücken, bei Ibsen ist es eine Wildente, bei Grillparzer das gehörnte goldene Fell eines Widders, geopfert wird bei beiden, geliebt, geschlachtet. In einem Stück sind die Menschen so irrsinnig dicht in ihren Lebenslügen verstrickt, dass der Ausweg nur noch in einem Zerschneiden des Knotens, im Tod, liegen kann, im andern sind es...
Der Nitsch ist ja der bekannteste Maler Österreichs. Aber das ist ein ganz normaler und angenehmer Mensch, sehr gescheit, gebildet und gemütlich. Sehr gemütlich!» Der ältere Herr, der dies seinen deutschen Nebenstehern voller Bürgerstolz zu Protokoll gibt, ist zwar nicht unbedingt in Orgienstimmung, aber doch sichtlich in Festtagslaune und wild entschlossen, sich...
