Früchte des Ressentiments
Jago legt gleich richtig los, während Venedigs gute Gesellschaft aufgekratzt und mit gefrorenem Lächeln in Endlosschleife über einen Laufsteg sprintet. Er schnappt sich das Mikro, das am langen Seil aus dem Bühnenhimmel baumelt, und donnert sein Leitmotiv in den Raum: «Ich hasse den Schwarzen! / Der Schwarze muss weg.» Sein Einsatz ist die zweite Wortmeldung des Abends; zuvor hatte der Doge in drei Sätzen das «venetianische Prinzip» erklärt.
Denn die Spielregeln in dieser Stadt sind einfach: Freiheit und Rechtssicherheit für alle Fremden – ökonomisch, kulturell und religiös –, aber letztlich nur, solange sie nicht stören und dem Handel nützen.
Der Test für diese Ansage folgt auf dem Fuß. «This is Venice» verschneidet in ausgeklügelter dramaturgischer Kleinarbeit und Neuübersetzung (Elisabeth Bronfen zusammen mit Bühnenbildnerin Muriel Gerstner) Shakespeares Fremden-Dramen «Othello» und «Der Kaufmann von Venedig» als Breitwandpanoramen venezianischer Gesellschaft – ihrer Liberalität und deren Grenzen. Die verbindende Idee: Der Schwarze Othello darf problemlos und gegen dessen erbitterten Widerstand die Tochter des einflussreichen Senators Brabantio heiraten, solange ihn Vendig als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aachen, Grenzlandtheater
9. Assous, Das Blaue vom Himmel
R. Fabian Goedecke
Altenburg Gera, THeater
3. Lessing, Emilia Galotti
R. Caro Thum
Augsburg, Theater
23. Stückenetwicklung, Iskhalo somlambo/Der Ruf des Wassers (U)
R. Dorothea Schroeder (Koproduktion mit Ukwanda Puppets & Designs Art Collective)
25. Ionesco, Die Nashörner
R. Susanne Lietzow
Baden-Baden,...
Dieser Film hat etwas Inzestuöses, und eine ganze Weile bleibt unklar, ob das jetzt eher lustig ist oder nervt. Die Schauspielerin Nina Hoss spielt die Theaterautorin Lisa, verheiratet mit einem Internatsdirektor in einem stinkreichen Schweizer Luftkurort und Mutter zweier Kinder. Sie leidet an einer Schreibblockade, seit ihr alleinstehender Zwillingsbruder Sven,...
Manche Standard-Perspektiven, -szenen und -formulierungen verwechselt man mit der Realität, einfach weil sie wieder und wieder und wieder reproduziert werden. Aber, Überraschung, das alles ist gar nicht die Welt. Es ist ein Abbild. Ein verstaubtes, ein einseitiges, enges, ein nicht zuletzt gefährliches. Diesem zumeist männlichen, heteronormativen,...
