Finanzwelt im Verskorsett
Die Amour fou zwischen verfeindeten Lagern ist ein dankbarer Tragödien -stoff – siehe Romeo und Julia, Troilus und Cressida, Penthesilea und Achilles et al. Auch Medea und Jason gehören in diese Kategorie, allerdings wird meist nur der letzte Teil der Geschichte gespielt, in dem von Liebe keine Rede mehr sein kann: Die Ehe ist zerrüttet, Jason hat eine Neue, die verzweifelte Medea tötet die gemeinsamen Kinder.
Am Salzburger Landestheater aber steht der zweite Teil von Grillparzers Medea-Trilogie «Das goldene Vließ» auf dem Spielplan, in dem die beiden einander erst kennenlernen. Der Grieche Jason ist mit den Argonauten gekommen, um das von den Kolchern geraubte Vließ zurückzuholen. Medea, die Tochter des Kolcherkönigs Aietes, ist eigentlich seine Todfeindin; aber statt Jason zu töten, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn.
Der Regisseur und Dramatiker Nuran David Calis, hauptsächlich für dokumentarische Stückentwicklungen bekannt, habe Grillparzers Stück in die moderne Finanzwelt versetzt, ließ das Landestheater vorab wissen. Aber wer sich von den «Argonauten» nun eine aktuelle Klassikerüberschreibung erwartet hat, lag falsch: Der Text blieb weitgehend unangetastet, die «moderne ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Wolfgang Kralicek
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