Eva Behrendt: Kriegsgewinnler mit Mission
Die Hölle sieht ganz beschaulich aus. Zumindest mit Coffeeshops und italienischen Restaurants, Bücherstuben und Szenefriseuren, Bioläden und Kinderboutiquen ist sie reich gesegnet. Der schwunghafte Einzelhandel in der Berliner Hufelandstraße wird frequentiert von Leuten vielleicht wie Du, in jedem Fall aber wie ich: zugezogen aus dem so genannten Westdeutschland, Akademiker, Grünen-Wähler, oft in Politik, Kultur und Medien beschäftigt und gerade frisch fortgepflanzt.
«Macchiatomütter» ist noch die freundlichere Bezeichnung, die die kritische Presse für unsere Spezies erfunden hat; über «Edeleltern und ihre Bestimmerkinder» hat die taz-Redakteurin Anja Maier sogar ein ganzes Buch geschrieben. Prominente Ostregisseure lästern gern über den Prenzlauer Berg: Frank Castorf, der hier ebenfalls ein Kleinkind unterhält, attestiert den «Bioladeneltern» regelmäßig eine «faschistoide» Gesinnung, Armin Petras ergreift offensiv die Flucht vor der Gentrifizierung und wechselt demnächst nach Stuttgart.
Auch der Theatermacher und Hufelandstraßenbewohner Jürgen Kuttner weiß wenig Gutes über sein Umfeld zu sagen. Ein «Horrorghetto» sei dieses Bötzowviertel: «Ich lebe hier in einer national ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Eva Behrendt
Andere gehen zum Ausgleich joggen oder schwimmen. Elfriede Jelinek schreibt Komödien um. Es ist schon kurios: Ausgerechnet eine Autorin, deren eigene Stücke mit der konventionellen Dramenform wirklich nichts mehr zu tun haben, unterbricht die Textflächenproduktion immer wieder, um sich mit Dramen konventionellster Bauart zu beschäftigen, den Farcen von Feydeau und...
1989 war für Václav Havel ein bewegtes Jahr. Noch im Januar wurde er verhaftet, als er an einer Gedenkveranstaltung zum 20. Todestag von Jan Palach teilnehmen wollte. Man verurteilte ihn wegen «Rowdytums» zu neun Monaten Haft, ließ ihn allerdings schon im März auf Bewährung frei. Im Oktober dann erhielt er keine Ausreisegenehmigung, als er in Frankfurt den...
Ein bisschen fühlt man sich wie beim Weihnachtsmärchen in der Schulaula. Auf dem Programm steht philosophische Pflichtlektüre: «Candide oder der Optimismus» nach Voltaire, szenisch eingerichtet – mehr kann man das nicht nennen – von der Regisseurin Friederike Heller und dem Dramaturgen Andreas Karlaganis. Auf schräger Ebene vor gut ausgeleuchtetem Rundhorizont hat...
