Anfall von Sterblichkeit
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst nicht mehr von Stalingrad und Fritz Wunderlich, sondern kriegen feuchte Augen, wenn sie an «68» und Pink Floyd denken, an Stamokap und Patti Smith, an Idealismus und den abgewetzten Parka mit den aufgenähten Gesinnungs-Symbolen.
Und dann kann es passieren, dass ihnen der Boden unter den Füßen schwankt und der Blick verschwommen wird: «Früher wurde es irgendwie heller.» Der Autor Lukas Hammerstein (Jahrgang 1958) ist durchaus selber so ein Held der inneren Verunsicherung, und wenn er sich schreibend seiner Generation nähert, dann tut er das ausgewogen mit einem zynischen und einem trüben Auge: Sein aktuelles Stück – eine Auftragsarbeit des Nürnberger Staatstheaters – begleitet in zwölf Szenen, die so eindeutige Titel haben wie «Ich bin da» oder «Ich will alles» oder «Die Halbwertzeit unserer Träume», zwei alte Kämpen, aus ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Staatstheater Nürnberg, Seite 53
von Bernd Noack
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