Essen: Selbsterfahrung im Behördendschungel
Leere Lagerhallen und marode Bürogebäude – dieser Teil der Essener Innenstadt hat schon bessere Tage gesehen. Hier, in einer unscheinbaren Außenspielstätte des Schauspiel Essen, hat das für seine technikbasierten immersiven Theaterstücke bekannte Game-Theater machina eX die «Bundesbehörde für Bevölkerungssichtung» eingerichtet. Entstanden aus dem Wunsch des Schauspiel Essen, sich mit Analphabetismus zu beschäftigen, schickt das Berliner Theaterkollektiv in «Sign here» das Publikum auf einen Selbsterfahrungstrip in einem undurchsichtigen Behördendschungel.
Auf dem Amt herrscht Tristesse: Kabel kommen aus der Decke, Sperrholzplatten und Infoplakate bedecken die Wände des Wartezimmers. Ich setze mich zu den ca. zwei Dutzend Besucherinnen und Besuchern, die bereits darauf warten, von einer jungen Frau in brauner Uniform aufgerufen und zur «Behördenleitung» zitiert zu werden. Erfolglos und ein wenig frustriert versuchen wir derweil, mit den beim Einlass erhaltenen Lesegeräten die Strichcodes im Programmheft zu entziffern. Auf dieser seltsamen Behörde ersetzen sie jegliche Schrift – auf den Namensschildern der Beamtinnen und Beamten, den Plakaten, selbst auf den Toiletten stehen ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Natalie Bloch
Nur was objektiv wahr ist, ist gut und wird in «Das große Heft» eingetragen. Gefühle gehören nicht dazu. Diese trainieren sich die namenlosen Zwillinge, die während des Zweiten Weltkriegs zur Großmutter in ein kleines ungarisches Dorf ausquartiert wurden, systematisch mit speziellen Übungen ab. Drei Tage nichts zu essen gehört noch zu den leichteren. Bis aufs...
Sie – er – es ist einfach perfekt. Langbeinig, wallemähnig, sportlich schlank und stets lieb und zugewandt. Sie hat es von einer Sexpuppe zur einfühlsamen, durchaus kritischen Gesprächspartnerin gebracht. Wenn sie dabei zu sehr nervt, kann man die Kommentarfunktion abschalten. Peter Vogel hat sich das perfekte Liebespendant, seine «Echokammer», erschaffen und nennt...
Kohlenrutsche, Müllschlucker, Schüttgutrampe – Olaf Altmanns Bühnenbild ist eine Großmetapher, eine graue Halfpipe des Geschichtsfatalismus. Es geht nur abwärts, keiner kommt empor, alles rauscht bergab. Entweder man bleibt hübsch oben in Distanz, oder man saust abwärts mit rasanter Fahrt in den Abgrund auf die Vorderbühne, zurückklettern geht nicht. Allenfalls...
