Talent zur Transparenz
In «Live Long and Prosper», einem ihrer selbst kreierten, produzierten und gedrehten Filme, heißt die Anweisung an einen der sieben Mitspieler: «closer to». Näher zu was? Zu sich selbst, zu der im Spiel leichthin erreichbaren Wirklichkeitserfassung, zum Ernst des Lebens, zum Abstand zwischen Kunst und Realität? Die Gruppe Gob Squad streift scheinbar planlos durch Berlin, um dann im Waschsalon, in Kaufhaus-Galerien, auf dem Weihnachtsmarkt, an Überall-und-nirgends-Orten Filmszenen – Todesszenen – nachzustellen.
Bastian Trost tritt auf der per Split Screen geteilten Leinwand als Double neben Dustin Hoffman in John Schlesingers «Asphalt Cowboy» von 1969, einer Wegmarke des New-Hollywood-Kinos, oder inszeniert sich in den Trivialmythos von Lex Barker als Old Shatterhand hinein, der den sterbenden Winnetou Pierre Brice wie eine Pietà in den Armen hält.
Der bewusst ungelenke Antiheld wird zum Protagonisten. Der Heroismus, den die Zelluloid-Ware offeriert, zerschellt an vermittelten, falschen, idealisierten und existenziellen Erfahrungen, während Wagners Liebestod aus dem «Tristan» aufrauscht. Ergriffenheit, so zeigen die Frauen und Männer von Gob Squad, wird zum Ergreifen dessen, was ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Andreas Wilink
Karlheinz Braun, 1932 in Frankfurt am Main geboren und dort noch immer lebend, hat sein Herz und sein Leben dieser Stadt, ihren Theatern und Kultureinrichtungen geöffnet und es als junger Regisseur und Schauspieler, dann als Leiter des Theaterverlags Suhrkamp und schließlich als Gründer und Delegierter des Theaterverlags der Autoren ganz an seine Autoren verloren....
Nur was objektiv wahr ist, ist gut und wird in «Das große Heft» eingetragen. Gefühle gehören nicht dazu. Diese trainieren sich die namenlosen Zwillinge, die während des Zweiten Weltkriegs zur Großmutter in ein kleines ungarisches Dorf ausquartiert wurden, systematisch mit speziellen Übungen ab. Drei Tage nichts zu essen gehört noch zu den leichteren. Bis aufs...
Wie bremst man ein Stück aus, das noch nicht einmal ein bisschen Fahrt aufgenommen hat? Indem man es gar nicht richtig anfangen lässt. Pinar Karabulut jedenfalls entscheidet sich bei der Uraufführung von Mehdi Moradpours «Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig» dafür, mit zehn Minuten rituellem Nichtstun zu beginnen. Vier Gestalten in goldglänzenden...
