Leipzig: Viktorianisches Erbe
Die Tochter des englischen Schwerromantikers Lord Byron und seiner kurzzeitigen Gattin Annabella Milbanke hatte einiges an elterlichen Widersprüchen auszuhalten: vom Papa einen Hang zur kreativen Träumerei, von der Mutter eine solide mathematische Ausbildung und die strengen Exerzitien der viktorianischen Disziplinargesellschaft. Beide(s) zusammen ergab eine zeitlebens kränkliche, ziemlich brillante Mathematikerin ohne Angst vor steilen Ideen.
Ada Lovelace (1815–1852) gilt mit ihren Berechnungen und Anmerkungen zu einer ersten dampfgetriebenen Rechenmaschine als Vordenkerin der digitalen Revolution.
Martina Clavadetscher lässt in der ersten Hälfte von «Frau Ada denkt Unerhörtes» im Schnelldurchlauf zentrale Stationen der Lovelace-Biografie Revue passieren, um in der zweiten Hälfte per Zeitsprung in einem Labor für Künstliche Intelligenz zu landen. Dort gelingt nicht nur die Erschaffung eines intelligenten Roboters, sondern auch eine Inkarnation von Ada Lovelace. Die maschinell wiedergeborene Ada erweist sich allerdings als ziemlich tyrannischer Selbstoptimierungs-Freak, der – ganz die Mama – den fehlerhaften Menschen und ihren unzuverlässigen Gefühlen böse auf den Leib rückt. ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Franz Wille
Wie die Welt untergehen wird? «Unter dem Jubel ihrer witzigsten Köpfe, die da meinen, es wäre ein Witz», heißt es im «Untergang der Titanic» von 1978. Klingt grob, aber genau das ist es, was die apokalyptische Komödie von Hans Magnus Enzensberger jetzt, angesichts der anstehenden Klimakatastrophe, so aktuell macht: die Vorstellung der Katastrophe als Witz.
Ein...
Kohlenrutsche, Müllschlucker, Schüttgutrampe – Olaf Altmanns Bühnenbild ist eine Großmetapher, eine graue Halfpipe des Geschichtsfatalismus. Es geht nur abwärts, keiner kommt empor, alles rauscht bergab. Entweder man bleibt hübsch oben in Distanz, oder man saust abwärts mit rasanter Fahrt in den Abgrund auf die Vorderbühne, zurückklettern geht nicht. Allenfalls...
Die Natur, die Goethes Werther einst schwärmerisch zu umfassen suchte, ist brüchig geworden. Sie ist ein Hörensagenphänomen. So wie Regisseurin Lilja Rupprecht sie an diesem Abend ins Schauspiel Hannover holt: Wellen schwappen auf dem Videoscreen so zähflüssig, als wären sie schon ein Ölteppich. Ein Fotoplakat prangt mit dem Versprechen auf «Natur» und...
