Erzählen jenseits von Zuschreibungen
«IST DEIN HERUNFTSLAND SICHER?
Nach welche Kriterien?»
Für viele Künstler*innen ist Rassismus nicht erst Thema, seitdem George Floyd umgebracht wurde. Rassismus beginnt nicht bei einem weißen Polizisten, der sein Knie 8 Minuten und 46 Sekunden in den Hals eines Schwarzen Familienvaters drückt, und Rassismus endet da auch nicht.
Dazu gibt es viele wichtige Literatur-Empfehlungen: Alice Hasters «Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen», Ta-Nehisi Coates’ «Zwischen mir und der Welt», «Exit Racism» von Tupoka Ogette, Noah Sows Klassiker «Deutschland Schwarz Weiß», die Essays von James Baldwin und Audre Lorde und vieles mehr. Die diskursive Auseinandersetzung zum Abbau von Rassismus ist die eine Seite der Medaille, die andere ist die persönliche Seite, der Aufbau von Empathie, die Schaffung eines Verständnisses über unterschiedlichste Erfahrungen hinweg – bis an die Grenze der Unmöglichkeit, den eigenen Körper verlassen zu können.
Für Künstler*innen of Color ist die vielleicht relevanteste Funktion von Rassismus seine Auswirkung auf die Wahrnehmung: Wie wird es möglich, einem Schwarzen Menschen nicht als Erstes vor dem Hintergrund seiner Pigmente ins Gesicht zu schauen? ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 54
von Necati Öziri
«Die Zeit friert», schreibt Aglaja Veteranyi («Wörter statt Möbel», «Der gesunde Menschenversand», 2018). Die Tage ziehen sich in die Länge, sind doch viel zu kurz und fließen ineinander. Wer weiß schon, ob heute Montag ist oder Dienstag? So vieles Gewohntes gibt es plötzlich nicht mehr zu tun, so vieles Ungewohntes gibt es plötzlich zu tun.
Ein Stapel Bücher will...
Es ist ein Glücksfall für Adrienne Goehler, die Herausgeberin dieses Buches, dass das bedingungslose Grundeinkommen in der derzeitigen ökonomischen Situation wieder mehr diskutiert wird. Dabei hat Goehler auch sonst nie Scheu gezeigt, über Dinge zu sprechen, die gerade nicht auf der Tagesordnung stehen, und häufig wählt sie dabei einen Ansatz, den andere etwas...
Eva Behrendt In der Münchner Fassung ist der Chor verschwunden. Welche Funktion hat er in «WUNDE R»?
Enis Maci Die Gemeinschaft von Ichs, die sich im Wohnzimmer der Derwischin Hatixhe versammeln, einer tatsächlichen Pilgerinnenstätte in Tirana, ist eine heterodoxe. Da sind undogmatische Glaubenspraxen, eine gewisse Planlosigkeit. Das Gemeinsam-Sein, das man dort...
