Internet-Theater: Im Bett mit Gob Squad

Auch die Live-Art-Veteranen Gob Squad haben sich aufs Spiel mit dem Internet eingelassen, allerdings zu eigenen Bedin­gungen: «Show Me A Good Time» am Berliner HAU

Theater heute - Logo

Zynisch. Vor etwas über einem Jahr verabschiedeten sich Gob Squad mit «I Love You, Goodbye (The digital detox edition)» symbolisch vom Internet, ließen das Publikum im Düsseldorfer FFT eine Nacht lang spüren, wie es ist, auf ständige Erreichbarkeit zu verzichten, auf Internet, Handy und Apps. Erkenntnis: Es ist durchaus eine Her­ausforderung, Gemeinschaft auf nichtdigitalem Weg zu organisieren.

Angesichts geschlossener Kulturinstitutionen im Zuge der Corona-Pandemie aber organisieren Theater Gemeinschaft nur noch digital, praktisch alle relevanten Häuser verlagerten ihre Aktivität ins Netz, mal mit netzspezifischen Innovationen, mal mit abgefilmten Aufführungen, mal ermüdend, mal innovativ, aber immer begeistert vom Neuen. Nur von Gob Squad: nichts.

Dabei hätte man eigentlich erwartet, dass die Bedingungen des Internet-Theaters der deutsch-britischen Gruppe entgegenkommen würden. Gob Squad haben schon mehrfach mit abwesenden Performer*innen experimentiert, oft tauchen bei ihnen Screen-Ästhetiken auf, und eine Netzaffinität traut man den Endvierzigerinnen durchaus zu. Aber: Ein wichtiger Aspekt ihres Theaters war immer die Zusammenkunft; auch bei Stücken ohne Performer*innen auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Roadmap ins Ungewisse

Das britische Theater wartet, seit es Mitte März über Nacht stillgelegt wurde, auf Regierungshilfe. Shakespeare’s Globe war eine der ersten Bühnen, die medienwirksam mitteilte, ohne einen Zuschuss von knapp sechs Millionen Pfund werde man das Jahr nicht überstehen. Bald darauf schlug das Old Vic Alarm, die Reserven reichten nur noch wenige Monate. So geht’s rund 70...

Augenhöhe oder Apokalypse

Eigentlich wollte ich Hannah Arendts umstrittenen Text «Reflections on Little Rock» von 1959 besprechen, mit dem sie sich gleich nach dem Erscheinen einige Kritik eingehandelt hatte. Sie sprach sich darin zwar eindeutig gegen Rassismus aus, machte aber eine Unterscheidung zwischen Gleichheit als politischem Recht, das durch die Verfassung gegeben sein müsse, und...

Die Geisel des Systems

Nach dem Urteil im erneuten Schauprozess gegen Kirill Serebrennikov (siehe Th 5/18 und 12/18) wegen angeblicher Veruntreuung von Fördergeldern war zunächst die Erleichterung groß. Statt der vom Staatsanwalt geforderten sechs Jahre Lagerhaft für den Regisseur und Leiter des Moskauer Gogol Centers gab es nur drei Jahre auf Bewährung und 10.000 Euro Geldstrafe. Die...