Augenhöhe oder Apokalypse
Eigentlich wollte ich Hannah Arendts umstrittenen Text «Reflections on Little Rock» von 1959 besprechen, mit dem sie sich gleich nach dem Erscheinen einige Kritik eingehandelt hatte. Sie sprach sich darin zwar eindeutig gegen Rassismus aus, machte aber eine Unterscheidung zwischen Gleichheit als politischem Recht, das durch die Verfassung gegeben sein müsse, und sozialer Diskriminierung als «berechtigter Praxis» – und hierfür wählte Arendt das Beispiel, an einem Ferienort als Jüdin auch gerne unter Juden sein zu wollen.
Sie kritisierte die Durchsetzung der Integration der ersten neun afroamerikanischen Schüler*innen an einer High School (Little Rock Nine) durch die Entsendung der Nationalgarde als zwanghaft, da die Eltern dadurch des Rechts auf Selbstbestimmung beraubt seien. Arendt, der Bildung als Privatsache und zweitrangig erschien, erhob auch Einwand dagegen, dass die Medien eine einzelne Schwarze Schülerin zur Ikone machten und fragte: «Sollen jetzt Kinder die Welt verbessern?» Greta wüsste die Antwort.
Arendts Beispiel des jüdischen Safer Space erinnerte mich dann aber daran, nochmals James Baldwins berührenden Essay-Briefband «The Fire Next Time» von 1963 zu lesen. Baldwin ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 56
von Kevin Rittberger
Nach dem Urteil im erneuten Schauprozess gegen Kirill Serebrennikov (siehe Th 5/18 und 12/18) wegen angeblicher Veruntreuung von Fördergeldern war zunächst die Erleichterung groß. Statt der vom Staatsanwalt geforderten sechs Jahre Lagerhaft für den Regisseur und Leiter des Moskauer Gogol Centers gab es nur drei Jahre auf Bewährung und 10.000 Euro Geldstrafe. Die...
Erster Ratschlag: Kommen Sie nicht zu knapp. Sie müssen noch Hände desinfizieren, Meldezettel ausfüllen, Einbahnwegesysteme verstehen, immer brav Abstand halten. Und es schwitzt sich so schlecht unter der Atemschutzmaske. Dieser Tipp gilt für werdende Theatergänger in pandemischen Zeiten.
Zweiter Ratschlag: Hören Sie aufmerksam zu. Sie müssen noch Hände in Unschuld...
Der Kampf mit einem «unsichtbaren Feind» (Zitat u.a. Angela Merkel) bringt uns alle in Lebenssituationen, die gleichermaßen ungewohnt wie ungemütlich sind, und so fremdeln wir alle – mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger gekonnt – mit dem «neuen Normal» der (Post-)Corona-Realität. Sichtbares Accessoire dieses Kampfes, gewissermaßen Signum der eigenen...
