Erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeit
Ein alter Mann sitzt in einem Olivenhain und schimpft. Peter Stein in Umbrien? Nein, Ödipus auf Kolonos. 13 Jahre nach seinem Zerwürfnis mit dem damaligen Intendanten Gerard Mortier kehrte der frühere Schauspieldirektor Stein zurück nach Salzburg. In der seit Steins Zeiten von den Festspielen genutzten
Halle auf der Halleiner Perner-Insel inszenierte er «Ödipus auf Kolonos», mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle.
Es ist, nach «Wallenstein» (2007) und «Der zerbrochne Krug» (2008), die dritte Zusammenarbeit zweier schwer vermittelbarer Stars, die beide längst zu groß und zu stur für den gemeinen Stadttheaterbetrieb geworden sind. Dritter im Bunde ist Claus Peymann, dessen Berliner Ensemble auch diesmal als Koproduzent fungierte; der Fritz Rau des deutschen Theaters, sozusagen.
Von einem Trio wie diesem darf man sich natürlich keine Innovationen erwarten, im Gegenteil: Ihr Erfolg beruht ja genau darauf, dass die Fans genau das kriegen, was sie erwartet haben. Im Fall von Stein, der sich vom Regietheater-Pionier zum Werktreue-Fundamentalisten entwickelt hat, bedeutet das, dass kein Inszenierungskonzept, keine Regieeinfälle, nicht einmal Striche zu befürchten sind. Und bei ...
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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 34
von Wolfgang Kralicek
Liebe zu dritt ist ein erstrebenswerter Zustand, wenn es nach der Berliner Combo «Stereo Total» geht. In Frankfurt führt ihr beschwingtes Loblied «L’amour à trois», das die Zuschauer schon beim Eintritt in die Kammerspiele beschallt, aber in die Irre. Der Protagonist des Soloabends frei nach «Werthers Leiden» ist nämlich alles andere als ein fröhlicher Verfechter...
Noch einmal also die Schlacht der Geschlechter. Genau das ist «Friday Night», Oliver Bukowskis neues Stück, uraufgeführt am emma-theater, der kleinen Spielstätte der städtischen Bühnen in Osnabrück; und im Untertitel verspricht der Autor «eine Damenkomödie mit Herrenopfer». Freitag Abend, kurz vor Wochenende, ist hier die richtige Zeit für die Generalabrechnung:...
Das Leben ein Traum – was sonst?» Mit dieser Neubetitelung hat der Regisseur Jürgen Kruse eine Klammer geschaffen zwischen Calderóns barocker Tragikomödie «Das Leben, ein Traum» und dem Kleistschen «Prinzen von Homburg» in der Regie von Peter Stein, dessen Assistent Kruse einst war. «Ein Traum – was sonst?» heißt die scheinbar versöhnliche und zugleich tief...
