Wann, wenn nicht jetzt?
Das Theater kann in der aktuellen Wertedebatte um die Begriffe «Heimat» und «Integration» eine besondere Stellung einnehmen. Es kann Haltung beziehen in seiner programmatischen Themensetzung, aber auch soziale Praktiken in seiner eigenen Arbeitsweise vorstellen.
Schon lange fühlen sich nicht alle Bevölkerungsschichten ins Theater geladen, das ist aber nicht erst seit 2015 ein Problem.
Es ist höchste Zeit für die Theater, sich zu öffnen – nicht nur den Migrant*innen, die neu nach Deutschland gekommen sind, sondern auch anderen Gruppierungen und Stimmen, die bisher wenig Platz eingeräumt bekommen haben im «öffentlichen Raum» Theater. Ich denke da zum Beispiel an ein Langzeitprojekt, das wir am Theater Rampe verwirklicht haben, in dem Süchtige und ehemalige Süchtige nicht nur eine fesselnde Performance auf Basis ihrer Erfahrungen erarbeitet haben. Es war zudem ein Prozess des Empowerments zu beobachten, im Laufe dessen sich diese Menschen einen kulturellen Raum zurückerobert haben, aus dem sie zuvor durch ihre Sucht und die gesellschaftliche Ächtung ausgeschlossen waren.
Wann, wenn nicht jetzt, können die Theater in der aktuellen politischen Situation ihre gesellschaftliche ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 76
von Marie Bues
«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...
Heute habe ich ein Visum beantragt für meine Heimat. 22 Tage in Russland wollen begründet sein. «Eine Deutsche» macht Urlaub in ihrem Geburtsort. Nach 30 Jahren in Deutschland bekomme ich das nicht über die Lippen: eine Deutsche sein. Warum?
Mit acht Jahren kam ich aus Russland nach Deutschland. Was beginnt mit dem ersten Tag in einem fremden Land, und was ist es,...
Die voraussehbaren Veränderungen in den ethnischen, politischen und ökonomischen Strukturen der deutschen Gesellschaft führen zu der Frage, in welcher Form Kunst und Kultur diese Ausdifferenzierungen widerspiegeln kann. Wird die deutsche Kultur weiterhin dominiert sein von der weißen ethnischen Mehrheit? Und wird der deutsche Kanon weiterhin überwiegend aus Autoren...
