Wann, wenn nicht jetzt?

Marie Bues will geniale Dilettantin bleiben und immer neue Wege suchen

Theater heute - Logo

Das Theater kann in der aktuellen Wertedebatte um die Begriffe «Heimat» und «Integration» eine besondere Stellung einnehmen. Es kann Haltung beziehen in seiner programmatischen Themensetzung, aber auch soziale Praktiken in seiner eigenen Arbeitsweise vorstellen. 

Schon lange fühlen sich nicht alle Bevölkerungsschichten ins Theater geladen, das ist aber nicht erst seit 2015 ein Problem.

Es ist höchste Zeit für die Theater, sich zu öffnen – nicht nur den Migrant*innen, die neu nach Deutschland gekommen sind, sondern auch anderen Gruppierungen und Stimmen, die bisher wenig Platz eingeräumt bekommen haben im «öffentlichen Raum» Theater. Ich denke da zum Beispiel an ein Langzeitprojekt, das wir am Theater Rampe verwirklicht haben, in dem Süchtige und ehemalige Süchtige nicht nur eine fesselnde Performance auf Basis ihrer Erfahrungen erarbeitet haben. Es war zudem ein Prozess des Empowerments zu beobachten, im Laufe dessen sich diese Menschen einen kulturellen Raum zurückerobert haben, aus dem sie zuvor durch ihre Sucht und die gesellschaftliche Ächtung ausgeschlossen waren.

Wann, wenn nicht jetzt, können die Theater in der aktuellen politischen Situation ihre gesellschaftliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 76
von Marie Bues

Weitere Beiträge
Narrativ der Ehrlichkeit

Eine neue deutsche Leitkultur, das klingt aber therapeutisch! Als könnte man etwas erfinden, das alle Probleme löst. Und solange man es nicht gefunden hat, ist es auch in Ordnung, dass die Probleme da sind. Es kann ja gar nicht anders sein, ohne die größte und beste Erfindung. Eine Art gesellschaftlicher Weltformel. Und klar, das Wort kann gar nicht anders als auch...

Eine hässliche Herzogin

Hier ist es, das Stück zur Debatte um Geschlechtergerechtigkeit, zu #MeToo, zu Ohnmacht und Machtmissbrauch. Und überraschenderweise hat es die Gestalt eines mittelalterlichen Historiendramas. Christoph Nußbaumeders «Margarete Maultasch» ist aber, wie immer bei diesem Autor, viel mehr als nur ein Zeitstück: Es ist Volkstheater und ganz großes Kino, ausladender...

Der Entgrenzungsorgiast

«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...