Ministry for Loneliness
Seit Anfang des Jahres gibt es in Großbritannien ein neues Ministerium: «Ministry for Loneliness». Dies ist keineswegs eine literarische Erfindung, wie das «Ministerium für Wahrheit» in George Orwells «1984», sondern eine real existierende Behörde. Mitsamt einer zuständigen Ministerin, die sich außer um die Bekämpfung der sich epidemisch ausbreitenden Einsamkeit auch um die Ressorts Sport und Zivilgesellschaft kümmert.
Die Idee, ein solches Ministerium für Einsamkeit zu gründen, stammt noch von der im ebenso hitzigen wie hetzerischen Brexit-Wahlkampf ermordeten Labour-Abgeordneten Jo Cox. Dem Bericht einer nach ihr benannten parteiübergreifenden Kommission und des Roten Kreuzes zufolge, fühlen sich neun Millionen Menschen in Großbritannien einsam. Hinter dieser dramatischen Zahl verbergen sich alte Menschen, die vergessen und ohne soziale Kontakte leben – 200.000 Senioren haben höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten –, Alleinerziehende, die zu wenig Unterstützung haben, Arme, die sich Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht leisten können, und auch all jene, die trotz oder auch wegen ausgiebiger Social-Media-Kontakte eher das Glas der «Black ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Julia Lochte
Der Begriff Leitkultur ist in meinen Augen kontaminiert, und ich bezweifle, dass er sich rehabilitieren lässt. Nicht nur laut «Wikipedia» führte ihn der Politologe Bassam Tibi 1996 in die deutsche Sprache ein. Er wollte eine europäische Leitkultur als «Quelle einer verbindlichen Werteorientierung» und eines «demokratischen, pluralistischen Interessenausgleichs»...
Dieses neue Stück von Christoph Nußbaumeder ist eine Reise ins Herz der waffenproduzierenden Industrie – dorthin, wo die Kriege von morgen bereits heute geführt werden. Es geht um künstliche Intelligenz und autonome Waffentechnik. Nußbaumeder bindet das hochkomplexe und politisch brisante Thema an die persönliche Verantwortung des Einzelnen. «Der junge Held...
Trump, Brexit, Le Pen und Co. sei Dank – endlich sieht man ein bisschen klarer! Die heftigen Veränderungen in den westlichen Demokratien sind auf oder gerade noch kurz vor den Regierungsbänken angekommen und machen deutlich, was sich zum Teil seit Jahrzehnten anbahnt. Nicht zuletzt Elfriede Jelinek bündelt die Phänomene in ihrem Stück des Jahres wieder einmal...
