Berlin Maxim Gorki Theater: Fragen über Fragen
Das Tal des Todesschattens, der über diesem Abend im Gorki Theater liegt, ist blendend weiß. Vier alarmbewehrte Stufen führen zum Spielfeld, das ein Vorfeld ist. Dahinter, versteckt hinter weißen Schnüren, liegt verschwommen eine Intensivstation, aus der Beatmungsgeräusche dringen (Bühne: Magda Willi). Wir sind im aerosolgesicherten Corona-Theater, und sein Hüter ist Niels Bormann, seit zehn Jahren Yael Ronens prototypischer Deutscher.
In diesen Zeiten hat der Blockwart viel zu tun, die Hygienemaßnahmen des Senats trichtert er auch dem Publikum ein, bevor er sich das eigene Abstandsplätzchen auf der Bühne mit Flatterbändern eingrenzt – natürlich ganz zentral. Nicht viel Platz für die anderen.
Den sie sich aber nehmen werden, in weißen Ganzkörperanzügen und mit individuell aufgetunten Masken (Kostüme Cleo Niemeyer). Corona-Zeit ist Monologzeit. Hier bekommt jeder der fünf Spieler*innnen seine fifteen minutes, um einzutauchen in das, was die lange Leere in ungewissen Zeiten an existenziellen Sinnfragen in die Köpfe treibt. Die ersten wirft site-specific Bormann ins spärlich besetzte Parkett: Was machen wir hier eigentlich, in so einem Theater? Sind wir systemrelevant? Was, wenn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Barbara Burckhardt
Eine kurze, aber entscheidende Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbringt Mely Kiyak in einem Bergdorf in der Türkei, wo sich ihre «verliebte Cousine» verloben will. Da es sich um keine arrangierte, sondern eine Beziehung «gegen den ausdrücklichen Wunsch ihrer Familie» handelt, trifft die Cousine sich schon vorher heimlich mit dem Auserwählten und berichtet den Wache...
Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Residenztheaters Anfang November nur noch...
Falk Schreiber Mitte März habe ich mich sehr auf die Premiere von Studio Brauns «Coolhaze» am Hamburger Schauspielhaus gefreut. Aber am 13. März kam die Meldung, dass die Premiere ausfallen, das Schauspielhaus die restliche Spielzeit wegen Corona für beendet erklären würde. Charly Hübner, Sie hätten in «Coolhaze» gespielt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Charly...
