Dinge sehen, die es noch nicht gibt
Ich denke in Bildern, lebe in Bildern, sehe die Wirklichkeit oft nicht, wie sie ist, sondern bewege mich in Bildern der Phantasie. Manchmal weiß ich gar nicht, ob sie Wirklichkeit sind oder Phantasie. Freies, bildhaftes Assoziieren ist mir ein lebensnotwendiges Bedürfnis. Ich kann mich vor ein leeres Bühnenmodell setzen, ein zerknülltes Stückchen Papier hineinlegen, und ganze Szenarien kommen zum Vorschein. Wenn das Modell fertig dasteht und wir Szene für Szene durchgesprochen haben, sehe ich den ganzen Ablauf vor mir.
Ich sehe Dinge, die es noch nicht gibt und mache aus diesem Nichts schon das, was es vielleicht einmal sein wird. Ein Theaterstück steht mir vor Augen, in meinem Kopf läuft ein Film.»
Mit diesem Bekenntnis erläutert die Töpferin und Plastikerin, später dann Bühnen- und Kostümbildnerin Gunilla Palmstierna-Weiss in ihren 2013 in Stockholm unter dem Titel «Minnets Spelplats» erschienenen Memoiren ihr Kunstverständnis. Auch als Erzählerin erweist sie sich als einfühlsame Porträtistin. Unter dem ihrer Kunst, ihrem Leben und Wirken mehr als angemessenen Titel «Eine europäische Frau» erschien die von Jana Hallberg übersetzte deutsche Ausgabe in von der Autorin leicht ...
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Theater heute 1 2023
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 48
von Klaus Völker
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