Die Idylle des Sarkasmus
Fortschritte in der Auffassung der «Dreigroschenoper» kann man wohl nur noch im Detail beobachten.
Da wäre die Geschichte des «Hoppla!» («Und wenn dann der Kopf rollt» oder «fällt», je nach Fassung, «dann sag ich: Hoppla!» aus dem Lied der «Seeräuber-Jenny»): Das ganze «Und wenn dann …» im Rezitativ lassen und erst für «Hoppla!» von Singstimme auf Sprechstimme schalten? Und wie lang die Pause vor dem «Hoppla!»? Immer noch ernsthaft so tun, als wäre der köstliche Revenge-Humor eine große Überraschung, wo man doch davon ausgehen kann, dass sowieso bald Busladungen von Touristen nur für das «Hoppla!» ins Berliner Ensemble kommen werden, die die erste Inszenierung diesseits von «Linie 1» und «Blue Men Group» sehen wollen, welche auf 18/1-Plakaten in Berliner U-Bahn-Stationen beworben wird? Dasselbe gilt für das «Nein!» bzw. «nicht Nein!» im «Barbara-Song von Ja und Nein»: Wie lang die Pause halten, Synkope oder der Sprechstimmeneinsatz – schon ab «Dann sage ich ihm» oder erst nach der Pause vor dem «Nein»?
Cynthia Micas jedenfalls, die Polly Peachum in Barrie Koskys neuer Inszenierung am BE, singt dankenswerterweise durch. Und wenn da eine Pause ist, macht sie sie woanders, ohne so ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Diedrich Diederichsen
Ein letztes Mal tritt Farida Mtamakosi ans Mikrofon. Die Politikwissenschaftlerin hatte sich selbst blendend gelaunt als «political clown» vorgestellt und als ein zeitgenössischer Sisyphos mit Verve in den Kampf mit dem Bürokratie-Monster Ausländerbehörde gestürzt. Eine Schwarze Frau, die wusste, wer sie war, bis sie nach Deutschland kam und hier zur «Anderen»...
Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt.
Ein Subjekt, das sich selbst...
Wir, die Vereinigung belarussischer Theater (Belarus Theatre Community), sind ein unabhängiger Zusammenschluss der Theaterschaffenden in Belarus, der sich gegen die Rechtsverstöße und die Gewalt der Regierung nach den Präsidentschaftswahlen im August 2020 ausgesprochen hat. Wir bitten unsere Kollegen und die Theaterinstitutionen weltweit um Solidarität und...
