Die Gewalt des Urplötzlichen

oder Fermentiertes Theater im schicksalhaften Rausch des Digitalen

Theater heute - Logo

Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer geht in die Knie vor diesem ganzen digitalen Angebot.

Die Welt verändert sich, welch eine Erkenntnis, und, um die Plattitüde zu vollenden, sie verändert sich nun «MIT UNS» wie auch «OHNE UNS» – will sagen: Wann kommt denn endlich die mächtige letzte Erregungswelle, die unsere Straßen der Abrissbirne Natur preis gibt? 

In den liberalen «WIR-KÖNNEN-ALLES-THEATERN» werden dazu schon die Szenarien entwickelt, und die nicht trocknen wollende Tinte fließt durch die Drucker und verwandelt sich in 0 und 1.

überleben im unpolitischen Raum gehetzt vom liberalen ALLES-Können

Ja – naja – der Tod. Ja der Tod – nicht mehr nur deiner und meiner – nein unser aller ... «Wir sterben – wir sterben! Und was dann?» (Dostojewski) Der Tod eine analoge Farce.

das analoge Gedächtnis bleibt ein Horizont unmöglich ins Unendliche einzutreten ...

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 94
von Sebastian Hartmann

Weitere Beiträge
Die Sehnsucht im Mauszeiger

Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen...

Gespräche in der Grauzone

Ein kalter, sonnig-stürmischer Maientag in Berlin. Ein knappes Dutzend Pressevertreter teilt sich FFP2-maskiert im nüchternen Raum des Landesarbeitsgerichts die paar Stühle, die nicht mit rotweißem Flatterband abgesperrt sind. Beklommene Stimmung: Wird sie gleich kommen, Shermin Langhoff, die ins Feuer geratene Intendantin des Gorki, das so lange das Role Model war...

Im Bauch des Wals

Wie schreiben über Vorgänge, deren zeitliche Dimension nicht abzusehen ist? An dieser Frage reiben sich alle Theatertexte über das Anthropozän, wie immer sie auch strukturiert sein mögen. Das alte Brecht-Problem, dass die komplexen Transaktionen des Finanzkapitalismus nicht mit einer dramatischen Struktur abzubilden sind, erscheint hier ungleich vervielfältigt...