Im Bauch des Wals
Wie schreiben über Vorgänge, deren zeitliche Dimension nicht abzusehen ist? An dieser Frage reiben sich alle Theatertexte über das Anthropozän, wie immer sie auch strukturiert sein mögen. Das alte Brecht-Problem, dass die komplexen Transaktionen des Finanzkapitalismus nicht mit einer dramatischen Struktur abzubilden sind, erscheint hier ungleich vervielfältigt wieder. Kommunikation ist selbst zu einem zentralen Problemfeld der menschlichen Reaktionen auf den Klimawandel geworden.
In ihren Notizen, die Kathrin Röggla bei den Recherchen in Dresden und im sächsischen Umland gemacht hat, schreibt die Autorin: «In meinen Gesprächen mit Aktivist:innen, Umweltbeamt:innen, Unternehmer:innen begegnen mir Erzählungen der Unvorstellbarkeit. Man könne sich wasserstoffbetriebene Autos nicht vorstellen, man könne sich eine ökologische Landwirtschaft nicht vorstellen, man könne sich ein nachhaltiges Freizeitverhalten nicht vorstellen. Man kann sich die Energiewende nicht vorstellen. Fehlende Selbstwirksamkeitsgefühle stecken in jeder Öko-Initiativgeschichte. Wir erleben fehllaufende Kommunikation in der repräsentativen Demokratie.»
Wie Kommunikation stiften über naturwissenschaftliche, ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 153
von Jörg Bochow
Im Jahr 1916 erscheint Franziska Gräfin zu Reventlows Buch «Der Geldkomplex». Es spielt in einem Setting, das wir von Thomas Manns acht Jahre später erschienenem «Zauberberg» gut kennen: einem Sanatorium. Reventlows Hauptfigur leidet, ähnlich wie die Autorin, an permanenter Geldknappheit. Nach neuestem medizinischen Wissensstand der Freudschen Psychoanalyse wird...
Aus dem Stegreif weinen, das kann nicht jede:r. Das ist das überschaubare Kunststück an der Sache. Ich habe damit schon als hormongefluteter Teenager vor meinen Klassenkamerad:innen geprahlt. «Money makes me cry» habe ich schon einmal gespielt, als Abschied vom Hamburger Schauspielhaus. Damals eine ziemlich sportive Veranstaltung. Ich habe für möglichst viele...
Ich gestehe: Ich habe auch gekocht beim Streaming-Gucken. Zumindest bei meinen eigenen Inszenierungen, wenn ich an den Abenden nicht im Theater war, sondern zu Hause. Dann haben meine Frau und ich den Laptop schon mal in der Küche aufgestellt. Seien wir ehrlich: Eine gestreamte Vorstellung verführt dazu, dass man zwar «reinschaut», aber nicht richtig hinschaut....
