Theater Now?
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken und Werten für ein kommendes Theater bleibt in dieser Dichotomie.
Ich forsche seit ca.
2015 als Ethnograph im «Feld» Freie Szene und Stadttheater in Deutschland zu der Institutionalisierung anti-rassistischer Kritik und der Rolle schwarz rassialisierter Kulturarbeiter*innen. Im Folgenden möchte ich keine Programmatik formulieren, sondern stattdessen entlang der Ideen einiger Autor*innen wie Mark Terkessidis, Daniel Gyamerah, Joshua Kwesi Aikens, Hanna Voss und Azadeh Sharifi ein Problemfeld skizzieren, welches den Ausgangspunkt einer rassismuskritischen Analyse der Gegenwart im deutschen Theater bilden kann.
Stadtgesellschaften in Deutschland sind seit jeher durch Migration geprägt. Die Mobilität von Menschen kennt wortwörtlich keine Grenzen. Wenn nun also, vor dem Hintergrund des «Sommers der Migration» (2015) und ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 90
von Julian Warner
Deutsche Waffen verkaufen sich gut in der Welt. 35 Länder stehen aktuell auf der Exportliste. Das Sturmgewehr G3 von Heckler und Koch ist nach der Kalaschnikow die verbreitetste Maschinenpistole der Welt. Die Pistolen von Sig-Sauer stecken bald im Halfter eines jeden amerikanischen Polizisten. Panzer von Krauss-Maffei-Wegmann rollen kreuz und quer über den Globus,...
In einer möglichen Zukunft: Sieben Expeditionsteilnehmer*innen durchstreifen das längst verlassene Gebiet der alten Bundesrepublik und suchen in den Ruinen einer versunkenen Zeit nach Schätzen. In der alten Hauptstadt Bonn, am ehemaligen Kanzlerbungalow, wird die Routine der Expedition plötzlich gestört.
Eine dunkle Energie beeinflusst das Verhalten der...
Der Begriff Leitkultur ist in meinen Augen kontaminiert, und ich bezweifle, dass er sich rehabilitieren lässt. Nicht nur laut «Wikipedia» führte ihn der Politologe Bassam Tibi 1996 in die deutsche Sprache ein. Er wollte eine europäische Leitkultur als «Quelle einer verbindlichen Werteorientierung» und eines «demokratischen, pluralistischen Interessenausgleichs»...
