Theater Now?
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken und Werten für ein kommendes Theater bleibt in dieser Dichotomie.
Ich forsche seit ca.
2015 als Ethnograph im «Feld» Freie Szene und Stadttheater in Deutschland zu der Institutionalisierung anti-rassistischer Kritik und der Rolle schwarz rassialisierter Kulturarbeiter*innen. Im Folgenden möchte ich keine Programmatik formulieren, sondern stattdessen entlang der Ideen einiger Autor*innen wie Mark Terkessidis, Daniel Gyamerah, Joshua Kwesi Aikens, Hanna Voss und Azadeh Sharifi ein Problemfeld skizzieren, welches den Ausgangspunkt einer rassismuskritischen Analyse der Gegenwart im deutschen Theater bilden kann.
Stadtgesellschaften in Deutschland sind seit jeher durch Migration geprägt. Die Mobilität von Menschen kennt wortwörtlich keine Grenzen. Wenn nun also, vor dem Hintergrund des «Sommers der Migration» (2015) und ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 90
von Julian Warner
Die Existenz verschiedener Religionen, Ideologien und Ethnien an ein und demselben Ort deutet auf zweierlei hin: nämlich entweder darauf, dass es einen Bürgerkrieg geben wird, oder darauf, dass dieser Ort gedeihen wird. Im Jahr 2015 sind 1.300.000 Menschen nach Deutschland gekommen. 40 Prozent der Bevölkerung haben vielfältige Hintergründe und Ethnien. 200.000...
Im Winter 2014 lud die Basler Kulturbehörde zur Vorstellung des designierten Intendanten ins Kunstmuseum Basel. Es war ein halböffentlicher Anlass, gemünzt auf die leidenschaftlichsten Theatergänger und stadtbekannten Influencer. Es gab eigentlich auch gar kein Geheimnis mehr zu lüften, ein gewisser Andreas Beck aus Wien sollte das größte Dreispartenhaus der...
«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...
