Dialektik oder Alles ist eins

Kleist «Penthesilea», Shakespeare/Frayn «Nackter Wahnsinn – Was ihr wollt»

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Das Kleistjahr 2011 hat uns eine neue dramatische Figur beschert. So wie Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater Berlin anlässlich des «Käth­chens von Heilbronn» einen siebenfachen Heinrich von Kleist in historisierenden Knickerbockern aufbot, treffen wir auch in Robert Borgmanns Leipziger «Penthesilea»-Version auf den Autor himself (beziehungs– weise das, was der Regisseur sich unter ihm vorstellt).

In Sachsen trägt Heinrich (Günther Harder) modern anplateauisierte Stiefel zu Berlin-Mitte-hippen Shorts, gesteht – in einer ausgeweideten Kommode hockend – eine Vorliebe für «schmutzige Witze» und gibt anschließend den zum Besten, in dem Fidel Castro die Revolution mit der Menstruation verwechselt (Pointe: «Mir doch egal, ich will Blut sehen»).

Der Witzbold Kleist ist bei weitem nicht die einzige Figur, die Borgmann zusätzlich in seinen Penthesilea-Cast aufgenommen hat. Auch Caspar David Friedrichs «Wanderer über dem Ne­belmeer» klettert – seinerseits Heinrich Heines «Nacht­gedanken» anzitierend – in Gestalt des Schauspielers Andreas Keller leibhaftig über Borg­manns Bühnenkunstwerk aus mehrstufig angeordnetem Second-Hand-Mobiliar, das oben in eine kleine Wohnküche mündet. Dort ...

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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik Leipzig, Seite 51
von Christine Wahl

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