Dialektik oder Alles ist eins
Das Kleistjahr 2011 hat uns eine neue dramatische Figur beschert. So wie Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater Berlin anlässlich des «Käthchens von Heilbronn» einen siebenfachen Heinrich von Kleist in historisierenden Knickerbockern aufbot, treffen wir auch in Robert Borgmanns Leipziger «Penthesilea»-Version auf den Autor himself (beziehungs– weise das, was der Regisseur sich unter ihm vorstellt).
In Sachsen trägt Heinrich (Günther Harder) modern anplateauisierte Stiefel zu Berlin-Mitte-hippen Shorts, gesteht – in einer ausgeweideten Kommode hockend – eine Vorliebe für «schmutzige Witze» und gibt anschließend den zum Besten, in dem Fidel Castro die Revolution mit der Menstruation verwechselt (Pointe: «Mir doch egal, ich will Blut sehen»).
Der Witzbold Kleist ist bei weitem nicht die einzige Figur, die Borgmann zusätzlich in seinen Penthesilea-Cast aufgenommen hat. Auch Caspar David Friedrichs «Wanderer über dem Nebelmeer» klettert – seinerseits Heinrich Heines «Nachtgedanken» anzitierend – in Gestalt des Schauspielers Andreas Keller leibhaftig über Borgmanns Bühnenkunstwerk aus mehrstufig angeordnetem Second-Hand-Mobiliar, das oben in eine kleine Wohnküche mündet. Dort ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik Leipzig, Seite 51
von Christine Wahl
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor...
Per Geburtsdatum sind Anja Hilling, 1975 im Emsland geboren, und Oliver Kluck, 1980 auf Rügen, Fachleute für die Generation der Anfang- bis Mitt-30er, so genannte «Generationenporträts» sind ihre Spezialität. An denen herrscht zur Zeit auch am Büchermarkt kein Mangel: «Wir haben (keine) Angst» nennt Nina Pauer ihr Buch, in dem sie ihre Alterskohorte auf die Couch...
Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für...
