Der Tod, die Welt und mehr
Der Sylter FDP-Abgeordnete Lütje Wesel hat ein kleines Problem. Er ist zwar ein begnadeter Wahlkampfredner, unverzichtbar für seine Partei im gerade heißlaufenden Kommunalwahlendspurt, denn er kann die Leistungsträger-Sprüche seiner Partei herbeten, dass man fast noch dran glauben könnte. Aber – er ist inkontinent. Wie bei vielen Spitzenkräften legt sich der Körper quer zum Highperformer. Besonders am rhetorischen Höhepunkt seiner Rede läuft die Blase leer.
Vincent Redetzki, eben noch stahlharte Wahlkampfparole im Maßgeschneiderten mit klobiger Markenuhr am Handgelenk, zeigt unmittelbare Wirkung: Er sinkt am Stück zur Seite.
Damit beginnt Nora Abdel-Maksouds «Doping» (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei), eine schnell hochdrehende Komödie ums Leistungsprinzip und seine Folgen, späte Wiedergeburt jener Screwball-Hollywood-Filmkomödien aus den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen sich bei rasantem Dialogtempo immer wilder verschraubende Plots über finanziell meist unabhängiges Personal zur Zeit der Weltwirtschaftskrise hermachen. Man denke an «Leoparden küsst man nicht». Das klappt auch heute wieder ganz prima.
Nur zur notdürftigen ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 6
von Franz Wille
Wenn es nicht mehr deprimierender geht, falsche Entscheidungen, Abschiedsschmerz, Tod, das volle verfluchte «Alkestis»-Programm, dann entsteht plötzlich auf der Bühne ein violett glitzernder Energie-Wirbelwind: Anne Rietmeijers Alkestis tanzt und tanzt, in den Lebensminuten, bevor sie für ihren Mann Admetos in den Tod gehen wird. Was soll sie auch tun, wenn als...
Das Wesen des Theaters besteht in der Vergröberung der Effekte, also muss man diese Effekte eben noch stärker vergröbern, sie unterstreichen, sie auf die Spitze treiben.» (Ionesco 1958) An diese Bestimmung des Theaters hat sich Johan Simons – sonst eigentlich nicht der Mann fürs Grobe – gehalten, nicht an das Verfahren der Uraufführung von Ionescos «Die kahle...
Theater heute Herr Tschirner, haben Sie die Übergriffe auf Politiker der SPD und Grünen in Dresden Anfang Mai überrascht?
Christian Tschirner Nein, nicht wirklich. Die Atmosphäre ist sehr aufgeladen.
TH Eine aufgeladene Atmosphäre muss ja nicht dazu führen, dass man jemanden zusammenschlägt. Man kann sich auch anders streiten.
Tschirner Natürlich. Aber die...
