Bloody Mess
Wo soll das hin? Wo gehöre ich hin? Zu welcher Stimme? Zu welchem Satz? «Is the microphone on?» Jeder, jede will heutzutage gehört werden. Mit was eigentlich? In «Signal to Noise» knabbert Forced Entertainment an dieser Verbindung von Signal und Geräusch, Sagen und Bedeuten, zerknickt und schreddert sie.
Forced Entertainment, kurz FE, fing 1984 an und wurde berühmt als Kollektiv, das Fehler feiert und Chaos komponiert, so übers Leben sinniert und über Theater und Shows als Lebensverfehlungsformen. Manchmal komisch, manchmal nicht, mit Tiefsinn ohne Überheblichkeit.
In ihrem Jubiläumsstück, das in PACT Zollverein in Essen Premiere feierte, haben sie ihre Stimmen verloren. Oder aufgegeben. Es gab ja großartige Stücke, in denen außer Sprechen kaum etwas passierte, in «Tomorrow’s parties» oder den überlangen «Quizzoola», «Speak Bitterness», «And on the thousandth night». Ganz ohne kam «Under Bright Light» aus, das Herumräumestück, und «Out of Order», das mit den schlechtgelaunten Clowns an einem Tisch, die unermüdlich «wasgucksdu» drohten.
Diesmal machen sie sich fremde Stimmen zu eigen. Oder umgekehrt: Die lassen sie spuren, machen sie zu Erfüllungsgehilfen: Sätze, Satzfetzen wie aus ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Melanie Suchy
Fabian Wendlings Bühnenbild ist der Star des Abends: klaustrophobisch, steril, ohne Fenster und Türen. Die Bühne im Stuttgarter Schauspielhaus ist bis über die Decke ausgekleidet mit Regalen, die gefüllt sind mit einheitlich braunen und unbeschrifteten Pappdeckel-Ordnern – fein säuberlich in quadratischem Schachtelmuster arrangiert.
Es erinnert darin sowohl an...
Theater heute Herr Tschirner, haben Sie die Übergriffe auf Politiker der SPD und Grünen in Dresden Anfang Mai überrascht?
Christian Tschirner Nein, nicht wirklich. Die Atmosphäre ist sehr aufgeladen.
TH Eine aufgeladene Atmosphäre muss ja nicht dazu führen, dass man jemanden zusammenschlägt. Man kann sich auch anders streiten.
Tschirner Natürlich. Aber die...
Würdigen wir bitte zunächst den Spielplanhumor. Letzte Inszenierungen einer Intendanz haben ja oft symbolische Titel, meist irgendetwas mit «Ende» oder «Abschied». Martin Kušej, der eher für Trübsal als Witz bekannte scheidende Direktor des Wiener Burgtheaters, programmiert als finale Premiere ein Stück mit dem Titel «Zentralfriedhof». Das ist so grimmig – wenn ich...
