Der Theatermacher
Jürgen Flimm war der moderne Bruder von Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon, ein zumeist liebenswürdiger und liebenswerter Geysir, der mitunter auch zum gefährlich brodelnden, Feuer und Mordio speienden Vulkan werden konnte. Er tanzte auf vielen Hochzeiten, aber weiß Gott nicht auf allen. Dieser neuzeitliche Striese war auch ein kluger Stratege, ein gewiefter Taktiker ohnehin. Ein Visionär war er nicht, aber ein genauer Beobachter und Handwerker und ein genialer Ermöglicher. Immer ein Neugieriger, gleichsam ein Praktikant des Daseins.
Man darf und muss unterscheiden zwischen dem Intendanten, dem Regisseur für Schauspiel, Oper und Fernsehen – und dem Multi-Funktio -när als eingeborenem Sohn von August Everding. Denn Flimm war (zeitweilig) auch Präsident des Deutschen Bühnenvereins in Köln und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Bensheim, Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München und der Akademie der Künste in Berlin, Mitglied im ZDF-Fernsehrat. Er erfand, mit einigen anderen, für seinen Freund Gerhard Schröder vor der Bundestagswahl und für den Wahlkampf 1998 den Posten eines Kulturstaatsministers. Minister wurde Flimm nicht selbst, sondern sein Freund ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 4 2023
Rubrik: Nachruf, Seite 30
von Michael Merschmeier
Nun Jürgen Flimm. Und jedes Mal denke ich: Hätte ich doch bloß noch angerufen oder wäre nochmal vorbeigefahren; aber am Theater ist ja bekanntlich immer Alarmzustand, so dass man das Gefühl hat, nie so richtig wegzukommen, und dann vergisst man, den Kontakt zu halten zu Menschen, die einem mal lieb und wichtig waren. Jürgen Flimm war nie lieb, aber wichtig, und er...
Alexander Kerlin Maria Lazar hat ihren Roman «Die Eingeborenen von Maria Blut» 1935 beendet, im Exil in Dänemark. Sie schreibt über die Jahre, die unmittelbar davor liegen. Das heißt, sie weiß mehr als die Figuren: zum Beispiel, dass die Februarkämpfe 1934 kommen. Ist der Roman eine Art Vorgeschichte zu diesen Ereignissen?
Lucile Dreidemy Der Roman ist sowohl...
Auf den ersten Blick ist das Post-Brexit-London noch immer die pulsierende Weltmetropole, die es stets war. Ein Wunder an funktionstüchtigem, im Minutentakt anfahrenden öffentlichem Nahverkehr; die Verkehrswende, von der verstopfte deutsche Städte nur träumen können, längst geschafft. Die versmogte Stadt, in der sich nichts mehr bewegt, ist längst Vergangenheit....
