Der Text zählt – die Erfahrung auch: Theaterautor*innen können und müssen ihre Stimmen erheben
Ulrike Syha In den letzten Monaten hat die Corona-Krise unser aller Leben, auch unser Arbeitsleben, bestimmt. Ihre Auswirkungen und die damit verbundenen Veränderungen im Kulturbereich werden das noch lange tun. Das gilt natürlich auch für uns Theaterautor*innen – obwohl ich manchmal glaube, dass uns die volle Wucht der Krise wohl erst im nächsten Kalenderjahr treffen wird.
Aber wir wollen nicht über Zukünftiges, sondern über die generelle Verfasstheit der zeitgenössischen Dramatik sprechen.
Denn eigentlich multipliziert sich in der Krise nur, was ohnehin schon Trend war. Im allgemeinen Diskurs des Theaterbetriebs und anderer Bereiche der Gesellschaft scheint immer wieder eine Stimme zu fehlen, so zumindest meine Beobachtung: die Stimme der Autor*innen.
Dies ist allerdings nicht als Lamento gemeint. Im Gegenteil. Denn die Stille trügt. Es gibt genug zu sagen und gemeinsam zu diskutieren. Aber dazu müssen wir Autor*innen eben wieder das Recht in Anspruch nehmen, für uns selbst zu sprechen, anstatt stillschweigend zu akzeptieren, dass zwar über uns gesprochen wird, ab und an vielleicht sogar für uns, aber nur sehr selten mit uns.
Wenn der Verband der Bühnen- und Medienverlage und ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Szene Corona, Seite 40
von Maxi Obexer und Ulrike Syha
«Die Zeit friert», schreibt Aglaja Veteranyi («Wörter statt Möbel», «Der gesunde Menschenversand», 2018). Die Tage ziehen sich in die Länge, sind doch viel zu kurz und fließen ineinander. Wer weiß schon, ob heute Montag ist oder Dienstag? So vieles Gewohntes gibt es plötzlich nicht mehr zu tun, so vieles Ungewohntes gibt es plötzlich zu tun.
Ein Stapel Bücher will...
Es ist ein Glücksfall für Adrienne Goehler, die Herausgeberin dieses Buches, dass das bedingungslose Grundeinkommen in der derzeitigen ökonomischen Situation wieder mehr diskutiert wird. Dabei hat Goehler auch sonst nie Scheu gezeigt, über Dinge zu sprechen, die gerade nicht auf der Tagesordnung stehen, und häufig wählt sie dabei einen Ansatz, den andere etwas...
Man wird sich an solche Anblicke für eine Weile gewöhnen müssen: jede zweite Reihe leer, in den anderen jeder dritte Platz besetzt. Wenn sich erwartungshochgespannte Premierenzuschauerräume nicht zuletzt dank zahlreich anwesender schmallippiger Kritiker*innen für die Schauspieler*innen ohnehin anfühlen wie ein weit geöffneter Kühlschrank, dann kommt es jetzt noch...
